Arbeitsunfähigkeit: Definition, Diagnose und Dauer

Kurze Zusammenfassung zur Arbeitsunfähigkeit

  1. Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber spätestens am vierten Tag der Fehlzeit durch ein Attest nachgewiesen werden. Der Vorgesetzte kann vertraglich auch früher einen Nachweis fordern.
  2. Krankschreibungen, die sich auf eine Krankheit beziehen, sollten lückenlos erfolgen, damit es nicht zu Problemen kommt.
  3. Der medizinische Dienst der Krankenkasse kann Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen überprüfen und durch Gutachten als ungültig erklären.

Jeder Beschäftigte kann unverschuldet in die Arbeitsunfähigkeit geraten, oft durch Krankheit oder Unfall. Betroffene sollten in diesem Fall die Meldepflichten beachten und den verantwortlichen Personen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorlegen. Andernfalls können wichtige Zahlungen entfallen.

Arbeitsunfähigkeit lückenlos melden

Was es nach geltendem Arbeitsrecht heißt, arbeitsunfähig zu sein, sollte jedem Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertraut sein: Zur Arbeitsunfähigkeit (AU) kommt es allgemeinhin, wenn ein Unfall oder eine Krankheit den Körper- bzw. den Geisteszustand beeinträchtigt, sodass die betroffene Person nicht erwerbstätig sein kann. Dieser Zustand liegt auch dann vor, wenn theoretisch gearbeitet werden kann, dann jedoch eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes droht.

Die Definition von Arbeitsunfähigkeit ist bei erwerbsfähigen Hartz-4-Empfängern noch etwas zu präzisieren. So gelten Leistungsempfänger dieser Art erst dann als arbeits- bzw. erwerbsunfähig, wenn Sie krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage sind, zumindest drei Stunden am Tag zu arbeiten oder alternativ an Eingliederungsmaßnahmen teilzunehmen.

Ob Unfall oder Krankheit: Es gilt die Mitteilungspflicht

Medizinischer Dienst der Krankenkassen: Arbeitsunfähigkeit kann von diesem auf Echtheit überprüft werden.

Medizinischer Dienst der Krankenkassen: Arbeitsunfähigkeit kann von diesem auf Echtheit überprüft werden.

Sowohl Arbeitnehmer als auch Empfänger der Grundsicher­ung stehen grundsätzlich in der Mitteilungspflicht, wenn es zur Arbeitsunfähigkeit kommt. Liegen keine anderen vertraglichen Bestimmungen vor, gilt für Beschäftigte: Dauert die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit länger als drei Tage, muss der Arbeitgeber am darauffolgenden Tag ein ärztliches Attest und Informationen über die voraussichtliche Fehlzeit erhalten. Das besagt § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes. Das Fernbleiben muss jedoch schon am ersten Fehltag vor Arbeitsbeginn mitgeteilt werden.

Beim Nachweis zur Arbeitsunfähigkeit sollte darauf geachtet werden, dass Krankschreibungen lückenlos erfolgen. Erfolgt also eine zweite Krankschreibung zur selben Ursache, sollte keine “gesunden Tage” zwischen der ersten und der zweiten Meldung liegen. Zur Sicherheit sollten Betroffene im Zweifelsfall ihren Arzt darum bitten, bei Krankheit auch Wochenenden und Feiertage in das Attest miteinzubeziehen. Dann gibt es wegen ungewisser Zwischentage auch keine Probleme zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Insgesamt sechs Wochen im Jahr darf ein Arbeitnehmer krank sein, ohne finanzielle Abstriche machen zu müssen. Das bedeutet: Der Arbeitgeber muss Lohnfortzahlung bieten und weiterhin zahlen. Erst ab der siebenten Woche der Arbeitsunfähigkeit springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein. Dieses beträgt in etwa 70 bis 80 Prozent des üblichen Bruttolohns. Führt eine psychische Krankheit wie eine Depression zur Arbeitsunfähigkeit, kann es jedoch in Bezug auf Krankengeld bzw. Lohnfortzahlung Probleme geben. Im nächsten Abschnitt erfahren Sie dazu mehr!

Psychische Leiden können besondere Prüfungen erfordern

Auch bei einem Burnout wird die Dauer der Arbeitsunfähigkeit vom behandelnden Arzt bestimmt.

Auch bei einem Burnout wird die Dauer der Arbeitsunfähigkeit vom behandelnden Arzt bestimmt.

Arbeitgeber tun sich oft schwer damit, zu akzeptieren, wenn psychische Erkrankungen für Ausfälle sorgen. “Arbeitsunfähig wegen Depression? Derjenige gönnt sich doch bestimmt nur einige freie Tage!”

Solche Gedanken können einigen Unternehmern durchaus kommen. Dabei müssen diese ein ärztliches Attest immer zunächst einmal akzeptieren und dürfen an sich gar nicht erfahren, wieso der betroffene Arbeitnehmer ausgefallen ist.

Sie können jedoch über die Krankenkasse beim MDK, also beim Medinzinischen Dienst der Krankenversicherung, eine Überprüfung beantragen, wenn es sich bei der arbeitsun­fähigen Person um eine gesetzlich versicherte handelt. Es gilt:

  • Arbeitgeber und Krankenkasse selbst können für solch ein Gutachten sorgen.
  • Oft geht es darum, unnötige Zahlungen in Bezug auf Krankengeld oder Lohnfortzahlungen zu vermeiden und “Blaumacher” ausfindig zu machen.
  • Es müssen jedoch echte Zweifel an dem Leiden des Arbeitnehmers vorhanden sein, damit eine MDK-Prüfung auf Arbeitsunfähigkeit initiiert wird.
  • Lehnt die Krankenkasse die Einschaltung des MDK ab, haben Arbeitgeber zudem die Möglichkeit, vor dem Sozialgericht zu klagen.
Ergibt ein Gutachten, dass bei einer Person keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, kann der Betroffene Widerspruch einlegen. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn auch der behandelnde Arzt nicht mit dem Urteil des Gutachten einverstanden ist. Ein Zweitgutachten zur Arbeitsunfähigkeit wird dann von einem Facharzt erstellt. In dieser Zeit kann die Zahlung von Krankengeld jedoch völlig entfallen. Hier hilft im Notfall das Sozialamt mit Sozialhilfe aus.

Bildnachweise: istockphoto.com/endopack, istockphoto.com/leaf

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (32 Bewertungen, Durchschnitt: 3,97 von 5)
Loading...

2 Kommentare

  • Christoph

    Und was ist mit Privatversicherten? Müssen die im Zweifel nicht zum MDK? Die sind doch dann besser gestellt.

    • hartz4.de

      Hallo Christoph,

      unserer Kenntnis nach sollte eine Überprüfung durch den MDK für PKV und GKV gleich sein. Im Zweifel erkundigen Sie sich bei einem Anwalt.

      Das Team von hartz4.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.