Aufstocker: Wenn Hartz 4 geringes Einkommen ausgleichen soll

Kurze Zusammenfassung zur Hartz-4-Aufstockung für Geringverdiener

  1. Hartz-IV-Aufstocker erhalten trotz Einkommen das Arbeitslosengeld 2, weil der Verdienst nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt decken zu können.
  2. Bei einer ALG-2-Aufstockung wird das Einkommen auf die Hartz-4-Leistungen angerechnet. In die Berechnung fließen allerdings Freibeträge ein. Letztendlich erhält der Aufstocker den Freibetrag zusätzlich zu der Summe aus der Differenz zwischen dem tatsächlichen Einkommen und dem Betrag, der ihm als Hartz-4-Empfänger zusteht.
  3. Aufstockende Leistungen zum Lebensunterhalt gibt es nicht nur für Erwerbstätige mit geringem Einkommen. Auch Rentner oder Empfänger vom Arbeitslosengeld 1 können mit Hartz 4 aufstocken, wenn sie eine Hilfebedürftigkeit nachweisen können.

Die Anzahl der Hartz-4-Aufstocker ist auch durch Einführung vom Mindestlohn kaum gesunken. Immernoch gibt es viele Menschen, die trotz einer Arbeitsstelle ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können. Wie funktioniert das Aufstocken mit Hartz 4 eigentlich? Und wie wird aufstockendes Hartz 4 berechnet? Diesen Fragen widmet sich der nachfolgende Ratgeber.

Was bedeutet Aufstockung für Geringverdiener eigentlich?

Wenn das Gehalt nicht ausreicht, müssen Aufstocker Hartz 4 beantragen.

Wenn das Gehalt nicht ausreicht, müssen Aufstocker Hartz 4 beantragen.

Etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind trotz einer Arbeitsstelle gezwungen, eine Aufstockung vom Gehalt beim Jobcenter zu beantragen. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass der Lohn kaum ausreicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Trotz Mindestlohn gibt es immernoch viele Geringverdiener, die mit Arbeitslosengeld aufstocken. Diese Möglichkeit besteht, um den Menschen einen Anreiz zu schaffen, arbeiten zu gehen. Einige Geringverdiener erhalten nämlich teilweise weniger, als Ihnen beim Bezug von Hartz 4 zustehen würde.

Dies liegt darin begründet, dass Hartz-4-Empfänger Leistungen für Unterkunft und Heizung erhalten. Rechnet man diese mit dem Hartz-4-Regelsatz zusammen, kann schnell eine Gesamtsumme entstehen, welche das Einkommen eines Geringverdieners übersteigt.

Aufstocker sollen davon profitieren, dass sie einer Arbeit nachgehen, auch wenn diese nicht reicht, den Lebensunterhalt komplett zu decken. Daher wird der Lohn von Geringverdienern, wenn diese einen Anspruch haben, mit Hartz 4 aufgestockt. Dies gilt auch für Selbstständige.

Wer kann aufstockende Leistungen vom Jobcenter beantragen?

Wie bereits erwähnt, zielt das Modell der Aufstockung auf Geringverdiener ab, deren Gehalt niedriger oder gleich der Hartz-4-Leistungen sind, die sie erhalten könnten, wenn sie keiner Arbeit nachgehen würden.

Die Aufstockung wird zusätzlich zum Lohn der Erwerbstätigkeit gezahlt. Es ist allerdings nicht möglich, pauschal eine Gehaltsgrenze oder ähnliches festzulegen, ab der eine Aufstockung infrage kommt.

Denn wie bei anderen Hilfebedürftigen, bei denen berechnet wird, ob ein Anspruch auf Hartz 4 besteht, werden auch bei einem Aufstocker vorhandene Vermögenswerte in die Anspruchsberechnung mit einbezogen.

Zudem fließen auch Einkommen und Vermögen weiterer Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft, sofern eine besteht, in die Berechnung mit ein. Eine grobe Orientierung erlaubt allerdings jener Betrag, den ein Aufstocker als Hartz-4-Empfänger erhalten würde:

Der Regelsatz bei Hartz 4 beträgt z.B. für Alleinstehende 409 Euro pro Monat. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Heizung. Wie hoch diese ausfallen können, richtet sich unter anderem nach dem örtlichen Mietspiegel.

Wichtig: Wollen Sie eine Aufstockung zum Lohn erwirken, muss ein Hartz-4-Antrag beim zuständigen Jobcenter gestellt werden. Zusätzlich zum Hauptantrag muss entweder die Anlage EK (Einkommenserklärung) oder die Anlage EKS (Erklärung zum Einkommen Selbständiger) aufgefüllt werden. Nur so kann der Antrag bearbeitet werden. Der Bescheid sollte innerhalb von spätestens drei Monaten bei Ihnen eintreffen, andernfalls besteht die Möglichkeit einer Untätigkeitsklage.

Aufstockung durch Hartz 4: Wie wird sie berechnet?

Aufstockung: Auch das Arbeitsamt gibt Aufklärung über die Berechnung der Leistung für Aufstocker.

Aufstockung: Auch das Arbeitsamt gibt Aufklärung über die Berechnung der Leistung für Aufstocker.

Wie bereits erwähnt, wird bei der Berechnung der Leistungen, welche ein Aufstocker vom Jobcenter erhält, zunächst dessen Vermögen betrachtet und voll auf die Leistungen angerechnet. Allerdings werden dem Betroffenen auch Freibeträge zugestanden.

Das gewährleistet, dass er als Aufstocker letzten Endes mehr Geld zur Verfügung hat als ein arbeitsloser Hartz-4-Empfänger. Dadurch soll ein Anreiz geschaffen werden, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Folgende Freibeträge bezüglich des Einkommens können geltend gemacht werden:

  1. 100 Euro vom Bruttoeinkommen
  2. 20 Prozent (von 100 bis 1000 Euro)
  3. 10 Prozent (ab 1000 Euro)

Das nachfolgende Beispiel soll verdeutlichen, wie die Freibeträge gehandhabt werden. Berechnungsgrundlage ist dabei ein Bruttoeinkommen von 1900 Euro.

  • Freibetrag von 100 Euro
  • 20 Prozent von 900 Euro (1000 – 100 Euro) = 180 Euro
  • 10 Prozent von 200 Euro bei einer Verdienstobergrenze von 1200 Euro (1200 – 1000 Euro) = 20 Euro
  • Zusammen entspricht dies einem Betrag von 300 Euro, welcher nicht angerechnet werden darf
Gut zu wissen: Auch bei einem Mini-Job werden die genannten Freibeträge gewährt. Gehen Sie einer Beschäftigung auf 450-Euro-Basis nach, bleibt nach Abzug eine Summe von 170 Euro als Freibetrag übrig.

Aufstockung bei Arbeitslosengeld-1-Bezug

Auch Empfänger vom Arbeitslosengeld 1 können zum Aufstocker werden. Hierbei kommt allerdings nicht nur eine Aufstockung durch Hartz 4 in Betracht. Auch Wohngeld kann beispielsweise in Anspruch genommen werden, wenn das ALG 1 nicht zum Leben reicht.

Auch hierbei lässt sich keine Grenze definieren, ab der ein Betroffener definitiv einen Anspruch auf Aufstockung hat. Wollen Sie das Arbeitslosengeld mit Hartz 4 aufstocken, ist zunächst ein ganz normaler Hartz-4-Antrag vonnöten.

Stellt sich heraus, dass Sie einen Anspruch auf Hartz 4 haben, so erhalten Sie einen Bewilligungsbescheid. Auf diesem ist vermerkt, wie viel Hartz 4 Ihnen als Aufstocker zusteht.

Aufstockung zum Lebensunterhalt auch bei Rentenbezug?

Auch Personen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen, können mit Hartz 4 aufstocken.

Auch Personen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen, können mit Hartz 4 aufstocken.

Die Rente mit Hartz 4 aufstocken – auch das ist in Deutschland möglich, aber nur in einem bestimmten Fall. Aktuelle Trends bestätigen, dass die Altersarmut steigt. Dieser Trend führt dazu, dass auch immer mehr Menschen im Ruhestand auf Vereine wie die Tafel angewiesen sind.

Eine Aufstockung durch Arbeitslosengeld II kann zusätzlich gewährt werden, wenn dem Betroffenen eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zusteht. Teilweise erwerbsgemindert sind Personen, die nicht länger als sechs Stunden pro Tag arbeiten können.

Gleichzeitig muss aber eine Mindestarbeitszeit von drei Stunden am Tag möglich sein. Kann die betroffene Person keine drei Stunden am Tag arbeiten, so ist sie voll erwerbsgemindert und könnte nicht zum Aufstocker werden.

Teilweise erwerbsgeminderte Personen können also Aufstocker werden, aber auch hier wird die Rente auf die Leistungen angerechnet, doch auch die Freibeträge gelten. So soll einer Altersarmut vorgebeugt werden.

Grundsätzlich steht es jedem frei, eine Aufstockung durch Hartz 4 zu beantragen. Das Jobcenter wird den Antrag genau prüfen und in einem Schreiben mitteilen, ob ein Anspruch auf Aufstockung besteht oder nicht. Bei der Berechnung spielen das Einkommen sowie vorhandene Vermögenswerte neben den Freibeträgen eine wesentliche Rolle.

Bildnachweise: fotolia.com/ © Michael Schütze, istock.com/ © Minerva Studio, fotolia.com/ © Sir Oliver

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (56 Bewertungen, Durchschnitt: 4,02 von 5)
Loading...

7 Kommentare

  • Yesterday

    Mein Mann bekommt Erwerbsminderungsrente u.hat ein Minijob von 100€, ich habe ein monatlich untetschiedliches Einkommen von 159€bis 180€ .Meine frage ist folgende:Ist es richtig das die 100€ Minijob auf mein Einkommen angerechnet werden? Sorry, sollte unterschiedliches Einkommen heißen.

    • hartz4.de

      Hallo Yesterday,

      100 Euro gelten beim Einkommen als Freibetrag und werden nicht auf die Leistungen angerechnet.

      Die Redaktion von hartz4.de

  • Conny

    Ich habe von Februar 2015 bis Ende 2017 eine Arbeitsmarktrente bekommen, nun ist es zur Zeit wegen der Weiterzahlung vor dem Sozialgericht dass jedoch zu meinen Gunsten entschieden werden sollte wie beim ersten Mal.

    Eine halbe Erwerbsminderungsrente bekomme ich von der Schweiz das sind durchschnittlich 365€. Hinzu habe ich ein Kleingewerbe begonnen ab Januar 2017 wo ich durschnittlich 250 – 280€ verdiene.

    Da eben wieder ein Sozialgerichtsverfahren läuft fehlt mir natürlich die deutsche EM-Rente weshalb ich seit Januar 2017 vom Jobcenter eine Aufstockung erhalten habe in Höhe von ca. 150€. Rückwirkend wurde das mit der Rentenversicherung dann verrechnet.

    Jetzt bin ich umgezogen in einen anderen Kreis weil ich dort günstiger zur Miete lebe und die medizinischen Leistungen besser sind für mich. Ich habe zwar beim neuen Jobcenter auch eine Bewilligung erhalten über eine monatliche Aufstockung von 137€ und mein Kleingewerbe läuft weiter in dem Einnahmebereich wie oben erwähnt. Jetzt sagt mein Arbeitsvermittler dass er mich zum ärztlichen Dienst schicken muss wenn sich in Kürze nichts bei Gericht tut um festzustellen ob ich überhaupt vermittelbar sei sonst müsste ich dann zum Sozialamt.

    Ich verstehe das nicht: ich habe ein Kleingewerbe und eine ausländische Em-rente und ein Gerichtsverfahren, dass wenn es wieder für mich entschieden wird wovon alle ausgehen, das mit dem Jobcenter rückwirkend wieder abgerechnet wird und ich mich dann sogar abmelden kann.

    Warum muss ich dann plötzlich zum Sozialamt wenn ich eine vorübergehende Aufstockung brauche? Im anderen Kreis war das beim Jobcenter nie ein Thema.

    Über eure fachliche Meinung und Ratschläge würde ich mich sehr freuen Dankeschön

    • hartz4.de

      Hallo Conny,

      nur erwerbsfähige Leistungsberechtigte erhalten Hartz 4. Wer nicht erwerbsfähig ist, erhält stattdessen die Leistungen beim Sozialamt. Was das Gerichtsverfahren betrifft, können wir leider keine Rechtsberatung anbieten.

      Das Team von hartz4.de

  • Tanja

    Hallo ich hab eine Freundin, sie ist Mutter von 3 Kindern und lebt in Scheidung. Kind 1 wird in 4 wmagdm 18 hat ein Einkommen von 238 Euro Ausbildungsplatzbeihilfe für eine unentgeltliche schulische Maßnahme. Kind 2 ist 12 Jahre kein Einkommen und noch keinen unterhält(Vorschuss) gpt beantragt. Kind 3 ist 5 Jahre Vater zählt nicht. Pgd verdient etwa 900 Euro besteht da ein Anspruch? Na der Vater von jgmd 3zahlen kann und wird wird grade noch geprüft. Miete inklusive aller kosten 965 Euro. Für unseren Ort normale Durchschnitt.

  • Lene

    Mein Mann bekommt an April eine volle Erwerbsunfähigkeitsrente von ca 730€ netto und ich erhalte Elterngeld von 825€. Wir haben 2 Kinder 4J. und 4 Monate alt.
    Können wir unser Einkommen aufstocken? Wir sind verheiratet, müssen wir uns an das Jobcenter oder Sozialamt oder beides wenden?
    Danke für die Mühe!

    • hartz4.de

      Hallo Lene,

      ob und in welcher Höhe ein Leistungsanspruch besteht, können wir im Einzelfall nicht beurteilen. Nutzen Sie aber gerne unseren kostenlosen Hartz-4-Rechner. Eine Sozialberatungsstelle kann individuell beurteilen welcher Leistungsträger für Sie infrage kommt und welche Leistungen Sie beantragen können.

      Ihr Team von hartz4.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.