Wie hoch dürfen die Kosten der Unterkunft (KdU) beim Jobcenter ausfallen?

Das Wichtigste zu den Kosten der Unterkunft zusammengefasst

Werden die Kosten für Unterkunft und Heizung bei Hartz-4-Bezug übernommen?

Hartz-4-Empfänger haben neben dem monatlichen Regelsatz auch Anspruch auf Übernahme der Kosten der Unterkunft und Heizung. Zudem können Leistungsempfänger ein Darlehen für die Mietkaution beantragen. Ein kostenloses Muster für diesen Antrag finden Sie hier.

Wie werden angemessene Kosten der Unterkunft definiert?

Es gibt in jeder Stadt Richtwerte für angemessene Unterkunftskosten bei Hartz-IV-Bezug. Diese richten sich nach dem örtlichen Mietspiegel sowie der Anzahl der Haushaltsbewohner aus der Bedarfsgemeinschaft.

Kann das Jobcenter die Übernahme der Kosten der Unterkunft verweigern?

Liegen die Kosten der Unterkunft nicht im angemessenen Rahmen, wenn ein Betroffener in den Hartz-4-Bezug rutscht, wird zunächst ein Kostensenkungsverfahren eingeleitet. Der Leistungsempfänger hat bis zu sechs Monate Zeit, die Miete entsprechend zu reduzieren.

Hartz-4-Empfänger erhalten einen monatlichen Regelsatz, welcher beispielsweise zum Kauf von Lebensmitteln oder Kleidung gedacht ist. Doch muss das Jobcenter auch die Kosten der Unterkunft und Heizung übernehmen? Dieser Frage widmet sich der nachfolgende Ratgeber und informiert Sie umfassend.

Müssen die Kosten der Unterkunft gemäß SGB II übernommen werden?

Bei Bezug von Hartz 4: Die Kosten der Unterkunft trägt das Jobcenter.
Bei Bezug von Hartz 4: Die Kosten der Unterkunft trägt das Jobcenter.

Die Mietpreise steigen überall, bezahlbarer Wohnraum wird immer schwerer zu finden. Besondere Probleme bereitet der Wohnungsmarkt Menschen mit geringem Einkommen und Hartz-4-Empfängern.

Wer sich arbeitsuchend meldet und Anspruch auf das Arbeitslosengeld 2 hat, bekommt einen monatlichen Regelsatz ausgezahlt. Mit diesem sollen die nötigsten Anschaffungen und das Existenzminimum abgedeckt werden.

Es wäre also unmöglich, vom Regelbedarf auch noch die Miete zu stemmen. Daher übernimmt das Jobcenter separat die Kosten der Unterkunft und Heizung für Leistungsempfänger. Aufstocker können einen entsprechenden Mietzuschuss erhalten.

Gut zu wissen: Das Jobcenter übernimmt die Unterkunftskosten bei selbstgenutztem Wohneigentum ebenfalls. Dabei werden unabweisbare Aufwendungen für Instandhaltung und Reparatur anerkannt, sofern diese angemessen sind.

In welcher Höhe müssen die Unterkunftskosten vom Jobcenter übernommen werden?

Damit das Jobcenter die Kosten der Unterkunft in vollem Umfang übernimmt, müssen diese angemessen sein. Dieser Grundsatz ist in § 22 Absatz 1 Sozialgesetzbuch II (SGB II) definiert:

Bedarfe für Unterkunft und Heizung werden in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen anerkannt, soweit diese angemessen sind. […]

Wie hoch die jeweiligen Richtwerte ausfallen, wird im Gesetz allerdings nicht weiter bestimmt. Das wäre pauschal auch gar nicht möglich. Für jede Stadt gelten nämlich eigene Richtwerte. So kann es zu großen Unterschieden kommen.

Die angemessenen KdU in Berlin sind beispielsweise deutlich niedriger als in München. Doch wie kann es zu solchen Unterschieden kommen? Das liegt darin begründet, wie die jeweiligen Richtwerte ermittelt werden.

Diese richten sich nämlich nach dem örtlichen Mietspiegel. Ist das Niveau der Mieten sehr hoch, werden auch die Angemessenheitsgrenzen entsprechend höher angelegt. Zudem ist entscheidend, aus wie vielen Menschen die Bedarfsgemeinschaft, für welche eine Bleibe gesucht wird, besteht.

Wann wird ein Kostensenkungsverfahren eingeleitet?

Sind die Kosten der Unterkunft und Heizung zu hoch, müssen sie gesenkt werden.
Sind die Kosten der Unterkunft und Heizung zu hoch, müssen sie gesenkt werden.

Es kann auch vorkommen, dass Menschen plötzlich und unerwartet in die Anhängigkeit von Hartz 4 geraten. Die aktuelle Wohnung entspricht dann oft nicht den Vorgaben des Jobcenters. Doch wie wird dann verfahren? Muss der Leistungsempfänger seine Wohnung umgehend räumen?

Nein. Das Jobcenter leitet zunächst ein sogenanntes Kostensenkungsverfahren ein. Dem Betroffenen wird die Möglichkeit gegeben, die Mietkosten entsprechend zu reduzieren. Dies dann durch das Untervermieten eines Zimmers oder einen Umzug erfolgen.

§ 22 Absatz 1 SGB II definiert, dass Leistungsempfänger maximal sechs Monate Anspruch auf die Übernahme der Kosten der Unterkunft haben, wenn diese über dem Richtwert liegen:

[…]Soweit die Aufwendungen für die Unterkunft und Heizung den der Besonderheit des Einzelfalles angemessenen Umfang übersteigen, sind sie als Bedarf so lange anzuerkennen, wie es der oder dem alleinstehenden Leistungsberechtigten oder der Bedarfsgemeinschaft nicht möglich oder nicht zuzumuten ist, durch einen Wohnungswechsel, durch Vermieten oder auf andere Weise die Aufwendungen zu senken, in der Regel jedoch längstens für sechs Monate.

Gut zu wissen: Haben Sie eine neue Wohnung gefunden und das Jobcenter erteilt die Umzugsgenehmigung, können Sie Umzugshilfen in Anspruch nehmen. Dies umfasst auch die Bewilligung von einem Darlehen, mit welchem Sie für die Mietkaution aufkommen können.

Bildnachweise: fotolia.com/ © Henry Czauderna, fotolia.com/ © Björn Wylezich

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