Hartz 4: Wird Mehrbedarf auch für Behinderung beim Kind erbracht?

Kurze Zusammenfassung zum Hartz-4-Mehrbedarf bei Behinderung vom Kind

  • Haben Bezieher des ALG 2 ein oder mehrere behinderte Kinder, dann ist hierfür speziell kein Mehrbedarf vorgesehen.
  • Die besonderen Bedürfnisse von behinderten Minderjährigen werden durch andere Leistungen gedeckt, wie Ermäßigungen oder Therapien.
  • Eltern können zur Unterstützung des Nachwuchses jedoch Sozialgeld für diesen beantragen, insofern entsprechende Voraussetzungen erfüllt werden.

Erwerbslos zu sein und ein behindertes Kind betreuen – das kann eine große Belastung für Eltern sein. Betroffene fragen sich deshalb nicht selten: Müsste Hartz-4-Empfängern nicht ein Mehrbedarf für die Behinderung von einem Kind zustehen?


Bekomme ich mehr Hartz 4, wenn ich ein behindertes Kind habe?

Hartz 4: Für ein behindertes Kind ist in der Regel kein Mehrbedarf vorgesehen

Hartz 4: Für ein behindertes Kind ist in der Regel kein Mehrbedarf vorgesehen

Eltern, welche sich zusätzliche Leistungen erhoffen, muss an dieser Stelle leider direkt ein Dämpfer verpasst werden. Denn: Im Hartz 4 ist kein Mehrbedarf für Behinderung bei einem Kind des Beziehenden vorgesehen.

Der Umfang von Mehrbedarfen ist konkret in § 21 des zweiten Sozialgesetzbuches festgehalten. Diese werden erbracht, wenn

  • eine Schwangerschaft vorliegt
  • Bezieher alleinerziehend sind
  • Bezieher eine kostenaufwändige Ernährung benötigen
  • Warmwasser durch eine dezentrale Wasserversorgung erzeugt wird

Auch wenn Betroffene selbst eine Behinderung haben, kann für diese eine Förderung beantragt werden. Dieser wird prozentual am Regelsatz bemessen und zusätzlich zum Hartz 4 ausgezahlt. Einen Mehrbedarf für die Behinderung beim eigenen Kind geltend machen zu wollen, hat jedoch wenig Aussicht auf Erfolg.

Da das ALG 2 ab dem 15. Lebensjahr ausgezahlt werden kann, ist bei einem Hartz-4-Bezug ein Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind dann möglich, wenn dieses selbst entsprechende Leistungen bezieht. Dies wäre jedoch dann der reguläre Mehrbedarf bei Behinderung.

Dennoch: Eltern können Sozialgeld erhalten

Betroffene können also beim Hartz 4 keinen Mehrbedarf erhalten – eine Behinderung beim eigenen Kind kann jedoch durch zusätzliches Sozialgeld abgedeckt werden.

Das Sozialgeld ist eine Fürsorgeleistung. Es ist für all jene vorgesehen, welche hilfebedürftig und nicht erwerbsfähig sind und somit keinen Anspruch auf ALG 2 haben. Zudem müssen diese mit Erwerbstätigen in einer Bedarfsgemeinschaft leben – welches bei einer Familie mit behindertem Kind gegeben ist. Auch bei dieser Leistung sind bestimmte Regelbedarfe entsprechend den persönlichen Umständen vorgesehen. Die Höhe der monatlichen Regelsätze ist an denen von Hartz 4 orientiert.

Der Antrag auf Sozialgeld wird ebenfalls vom Jobcenter bearbeitet – und nicht etwa vom Sozialamt. Lassen Sie sich von Ihrer Sachbearbeiterin/ Ihrem Sachbearbeiter zu einem entsprechenden Antrag beraten.

In einem Gerichtsurteil wurde klagenden Eltern nicht stattgegeben

In einem Gerichtsurteil 2010 wurde für Hartz 4 kein Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind anerkannt

In einem Gerichtsurteil 2010 wurde für Hartz 4 kein Mehrbedarf für die Behinderung vom Kind anerkannt

Vor einiger Zeit gab es zudem einen realen Fall zu der Frage, ob bei Hartz 4 ein Mehrbedarf für die Behinderung von einem Kind geltend gemacht werden kann. Im Jahr 2010 hatte eine Familie geklagt, da ihr stark entwicklungsgestörter Sohn durch vermindertes Wachstum kaum Laufen konnte. Die Beförderung mache finanzielle Aufwendungen nötig, weshalb Ihnen neben ihrem Regelsatz eine zusätzliche Förderung zustünde.

Das Bundessozialgericht lehnte das Ersuchen ab. Die Begründung war, dass das Arbeitslosengeld 2 eine Leistung für den Arbeitsmarkt, nicht jedoch der Fürsorge sei. Dementsprechend muss bei Hartz 4 kein Mehrbedarf für eine Behinderung bei einem Kind erbracht werden.

Bildnachweise: Fotolia.com/ © Olesia Bilkei, iStockphoto.com/ © Vladstudioraw

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