Hartz-4-Bezug und Minijob ausüben: Welche Einkünfte werden angerechnet?

Kurze Zusammenfassung zu Hartz 4 und Minijob

  1. Beziehen Sie ALG 2, wird ein 450-Euro-Job auf den Regelsatz angerechnet.
  2. Bei Hartz IV werden vom Minijob 100 Euro als Grundfreibetrag nicht berücksichtigt. Zusätzlich sind von der restlichen Summe 20 % anrechnungsfrei.
  3. Neben dem Minijob werden allerdings auch andere Einkünfte als Einkommen auf das Arbeitslosengeld (ALG) 2 angerechnet.

Hartz-4-Empfänger können sich mit einem Minijob etwas zum Regelsatz dazuverdienen. Aber wann genau liegt ein Minijob vor? Wie wird eine geringfügige Beschäftigung auf Hartz 4 angerechnet? Mehr lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Hartz 4 und 450-Euro-Job: Was zählt dazu?

Sind das Arbeitslosengeld 2 und ein 450-Euro-Job miteinander vereinbar?

Sind das Arbeitslosengeld 2 und ein 450-Euro-Job miteinander vereinbar?

Obwohl Sie Arbeitslosengeld 2 erhalten, können Hartz-4-Empfänger nebenbei arbeiten gehen. Damit sie den Anspruch auf Hartz 4 nicht komplett verlieren, kann sich eine geringfügige Beschäftigung durchaus anbieten. Hartz 4 und ein Minijob sind also miteinander vereinbar. Aber was ist ein Minijob eigentlich?

Es handelt sich um einen Minijob, wenn das Beschäftigungsverhältnis nur geringfügig ist, sodass das Arbeitsentgelt die Grenze von 450 Euro nicht übersteigt. Die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der Arbeitstage ist dabei nicht von Bedeutung. Übt eine Person mehrere Minijobs aus, ist keine der Beschäftigungen mehr geringfügig und wird daraufhin versicherungspflichtig.

Grundsätzlich sind Sie bei Hartz 4 und einem Minijob zwar unfallversichert, aber nicht pflegeversicherungspflichtig. Zudem sind Sie beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie in der Arbeitslosenversicherung untergebracht. Minijobs müssen vom Arbeitgeber zudem bei der Sozialversicherung gemeldet werden. Übrigens: In der Regel können Sie einen Minijob während einer Umschulung weiterhin ausüben.

Laut Arbeitsrecht gelten für Minijobber die gleichen Regelungen wie für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz haben Sie auch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, wenn Sie einen 450-Euro-Job ausüben und Hartz 4 beziehen.

Wie wird das Einkommen aus einem Minijob auf Hartz 4 angerechnet?

Wie rechnet das Arbeitsamt einen Minijob auf den Regelsatz an?

Wie rechnet das Arbeitsamt einen Minijob auf den Regelsatz an?

Sind Sie arbeitslos und ein 450-Euro-Job dient zusätzlich zum Arbeitslosengeld 2 Ihrer Deckung des Lebensbedarfs, wird dieses Einkommen aufs ALG 2 angerechnet. Der Minijob wird vom Jobcenter als reguläre Beschäftigung angesehen und dementsprechend auch bei der Berechnung des Regelsatzes berücksichtigt.

Üben Sie bei Hartz-4-Bezug einen Minijob aus, sind von diesem Einkommen 100 Euro anrechnungsfrei. In diesem sogenannten Grundfreibetrag ist die Werbungskostenpauschale enthalten. Zudem sind Ausgaben wie Bewerbungsunterlagen, Fachliteratur, Bürobedarf, Werkzeuge sowie Arbeitskleidung darin berücksichtigt. Private Versicherungspolicen und Beiträge für die Riester-Rente werden mit 30 Euro anerkannt.

Bei einem Minijob und Hartz-4-Bezug liegt das Einkommen allerdings nur selten bei 100 Euro. Die restlichen 350 Euro werden beim 450-Euro-Job auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Bei Einkünften zwischen 100 und 1000 Euro sind dies 80 % des Regelsatzes. Das bedeutet, dass Ihnen 280 Euro vom Jobcenter durch den Minijob angerechnet werden.

So stehen Ihnen bei Hartz 4 und einem Minijob insgesamt 170 Euro anrechnungsfrei zur Verfügung. Aber nicht nur der Minijob wird bei Hartz-4-Bezug als Einkommen angerechnet. Auch Kindergeld, Mieteinnahmen, Elterngeld, Krankengeld sowie Betreuungsgeld werden u. a. berücksichtigt.

Bildnachweise: fotolia.com/Coloures-pic, fotolia.com/Michael Schütze

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8 Kommentare

  • Angelika B.

    Ich habe seit Mai einen geringfügigen Job mit wöchentlich 8 stunden Arbeitszeit, bei mindest stunden Lohn von 8,84Euro.Nachdem ich dies mit einer veränderungsmitteilung beim Jobcenter gemeldet habe , erhielt ich nach ca. 9 Tagen einen vorläufigen Bewilligungsbescheid, indem mir laut berechnung ein Einkommen von 450,- Euro angerechnet wurde . Nun erhalte ich ab Juni monatlich nur noch 136,- Euro zum Lebensunterhalt . Dieser Bescheid gilt für 6 Monate -.Wenn ich den monatlichen Lohn aus der geringfügigen Beschäftigung hinzu rechne, bleibt mir nicht mehr als der ALG II Regelsatz , wie bis zuvor. Wo bleibt dann der Dazuverdienst, welcher bei unter 400,- Euro eigentlich 70 % des nettolohnes betrifft? Erst nach einem halben jahr erhalte ich , wenn alle 6 Lohnzettel da sind, meinen entgültigen Bescheid. bekomme ich dann das Geld nachgezahlt? Schließlich wollte ich ja was dazu verdienen, wenn ich schon keinen Vollzeit Job finde.

    • hartz4.de

      Hallo Angelika,

      da scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Sie dürfen im Regelfall einen Grundfreibetrag von 100 € sowie 20 % des Restverdienstes behalten. Bei 450 € sind es also 170 €. Sprechen Sie am besten Ihren Sachbearbeiter darauf an, wann Sie mit einer Nachzahlung rechnen können und kontaktieren Sie im Zweifelsfall einen Anwalt.

      Das Team von hartz4.de

  • Hektor M.

    Ich hätte da auch mal eine Frage!

    Ich bin Umschüler und habe einen 450-Euro-Job. Seit zwei Wochen warte ich auf meinen Lohn. Kann ich mir den Lohn bzw. einen gewissen Betrag vom Jobcenter auszahlen lassen und die holen sich das Geld dann vom meinen Arbeitgeber zurück? Ist das möglich?

    • hartz4.de

      Hallo Hektor,

      Sie können beim Jobcenter ein Darlehen beantragen, welches Sie zurückzahlen können, sobald der Lohn da ist.

      Das Team von hartz4.de

  • peter

    Hallo,
    bei mir wird es noch komplizierter:
    Ich habe z.Zt.2Geringfügige Beschäftigungen.1xHauswart1xGrundstückspflege.Beides auf Stundenlohnbasis.monatlich verdiene ca.100-160€aus beiden beschäftigungen dazu.”Fiktives Einkommen”wegen der 2 Beschäftigungen habe ich auch.Dadurch werden monatlich 120€ !abgezogen – zur Verrechnung.
    Meine 1.Frage : Da der vorläfige Bescheid für 6 Monate gilt,werden 720€einbehalten,egal wie der tatsächliche Verdienst im Monat war.Ist das rechtens ? Kann man auch eine monatliche Abrechnung wegen saisonbedingten Schwankungen verlangen ?

    • hartz4.de

      Hallo Peter,

      leider dürfen wir keine Rechtsberatung anbieten, dies kann nur ein Anwalt.

      Das Team von hartz4.de

  • Ulrike

    Hallo,
    ich bekomme H4 und habe einen Minijob, bei dem ich im Mittel 300 € verdiene ( bin bei der Minijobzentrale gemeldet, StKl, eins )
    Frage; wenn ich jetzt noch zusätzlich einen zweiten Minijob annehme, bei dem ich im Mittel 350 € verdienen könnte, wie sieht dann die Anrechnung aus? In derSUMME sind es dann ja über 450 €.
    lieben Dank für eine Info – in vorraus :-))).

    • hartz4.de

      Hallo Ulrike,

      übersteigt Ihr Einkommen den Freibetrag auf 100 Euro, wird dieses auf die Hartz-4-Leistungen angerechnet.

      Das Team von hartz4.de

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