Was ist eine Privatinsolvenz und welche Folgen hat sie?

Kurze Zusammenfassung zum Privatinsolvenzverfahren

  1. Die Privatinsolvenz wird offiziell Verbraucherinsolvenz genannt. Schuldner sollten diese in Betracht ziehen, wenn sie nicht mehr dazu in der Lage sind, ihre Schulden aus eigener Kraft abzuzahlen.
  2. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird ein Teil des Vermögens des Betroffenen verwertet und an die Gläubiger verteilt. In der sich anschließenden Wohlverhaltensphase muss der Schuldner einen Teil seines Einkommens abtreten.
  3. Erfüllt der Schuldner alle Voraussetzungen, erfolgt zum Ende der Privatinsolvenz die Restschuldbefreiung. Auch wenn noch nicht alle Schulden abbezahlt wurden, können die Gläubiger dann keine Forderungen mehr stellen.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes war Arbeitslosigkeit der häufigste Auslöser für die Überschuldung von Privatpersonen. Können Erwerbstätige beispielsweise die fälligen Raten für einen Kredit oft noch problemlos abzahlen, wird dies zum echten Problem, wenn nach Eintritt der Arbeitslosigkeit nur noch der Hartz-4-Regelsatz zur Verfügung steht. Oftmals ist die Privatinsolvenz, die mit der Restschuldbefreiung endet, der einzige Weg aus den Schulden.

Schulden beim Gläubiger angehäuft: Wer sollte die private Insolvenz durchlaufen?

Entgegen der landläufigen Annahme haftet in der Regel bei einer Privatinsolvenz nur der Ehepartner, der das Verfahren angemeldet hat.

Entgegen der landläufigen Annahme haftet in der Regel bei einer Privatinsolvenz nur der Ehepartner, der das Verfahren angemeldet hat.

Was bedeutet die Privatinsolvenz für Schuldner und wann ist es empfehlenswert, diese anzumelden? Viele Menschen in Deutschland haben Schulden, beispielsweise, weil sie ein Haus gebaut und dafür einen Kredit aufgenommen haben. Zum Problem wird dies erst, wenn es zu einer Überschuldung kommt. In diesem Fall reichen Einkommen und Vermögen des Betroffenen nicht mehr aus, um allen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Wenn Sie überschuldet sind und aus eigener Kraft Ihre Schulden nicht mehr abbauen können, empfiehlt sich in der Regel eine Privatinsolvenz. Bevor Sie sich dafür entscheiden, sollten Sie sich jedoch mit einer Schuldnerberatungsstelle in Verbindung setzen und Ihre finanzielle Situation genau unter die Lupe nehmen. Gut zu wissen: Auch Hartz-4-Empfänger können eine Privatinsolvenz durchlaufen und die Restschuldbefreiung erreichen.

Entfallen Steuerschulden nach der Privatinsolvenz?

Viele Schuldner fragen sich, ob nach erfolgreicher Privatinsolvenz auch Steuerschulden der Restschuldbefreiung unterliegen. Seit einer Gesetzesänderung im Juli 2014 gilt Folgendes: Steuerschulden werden nicht erlassen, wenn diese aus einer Steuerstraftat resultieren.

Wie läuft ein privates Insolvenzverfahren ab?

Formen der Insolvenz: Die Privat- und Regelinsolvenz unterscheiden sich in wichtigen Punkten.

Formen der Insolvenz: Die Privat- und Regelinsolvenz unterscheiden sich in wichtigen Punkten.

Eine Privatinsolvenz folgt stets dem gleichen Ablauf. Zunächst muss ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern unternommen werden. Lassen sich die Gläubiger nicht darauf ein, kann die Privatinsolvenz angemeldet werden. Im Anschluss unternimmt das Gericht einen erneuten Versuch zur Einigung. Stimmen die Gläubiger erneut nicht zu, wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Es folgt die bis zu sechs Jahre lange Wohlverhaltensphase, in der Schuldner strenge Regeln befolgen müssen.

Die Restschuldbefreiung stellt das Ende des Insolvenzverfahrens dar. Noch bestehende Schulden können dann nicht mehr von einem Gläubiger eingefordert werden. Der ehemalige Schuldner kann also befreit in einen neuen Lebensabschnitt starten. In gewissen Fällen kann die Restschuldbefreiung jedoch versagt werden. Dies ist unter anderem der Fall, wenn der Schuldner Insolvenzstraftaten gemäß § 297 der Insolvenzordnung (InsO) begangen hat.

Es erfolgt eine Eintragung von jeder angemeldeten Privatinsolvenz in ein Verzeichnis. Hierbei handelt es sich um eine öffentliche Liste, welche unter insolvenzbekanntmachungen.de eingesehen werden kann. Gläubiger erfahren so, ob ein Schuldner die Privatinsolvenz angemeldet hat, und können entsprechende Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

Bildnachweise: istockphoto.com/ wavebreakmedia

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (25 Bewertungen, Durchschnitt: 4,10 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.