Arbeitslosengeld 1: Wem steht es zu und wie wird es berechnet?

Kurze Zusammenfassung zum Arbeitslosengeld 1

  1. Arbeitslosengeld 1 (ALG 1) steht Ihnen zu, wenn Sie arbeitslos sind und in den letzten zwei Jahren mindestens 12 Monaten versicherungspflichtig beschäftigt waren.
  2. Um ALG 1 zu erhalten, müssen Sie sich spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend und am ersten Tag der Arbeitslosigkeit arbeitslos melden.
  3. Wie lange Sie Arbeitslosengeld 1 erhalten, hängt von Ihrem Alter und der Dauer der Versicherungspflichtverhältnisse in den letzten fünf Jahren ab.

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Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Sozialstaat, weswegen hilfebedürftige Personen u. a. finanzielle Unterstützung erhalten. Eine dieser Leistungen ist Arbeitslosengeld 1 (ALG 1). Doch wann haben Sie Anspruch auf diese Leistung? In diesem Ratgeber informieren wir Sie, was Sie tun müssen, um Arbeitslosengeld I (ALG I) zu erhalten. Sie erfahren, wie sich die Höhe des Arbeitslosengeldes berechnen lässt und wie lange Sie die Leistung erhalten. Drohen Sanktionen, wenn Sie z. B. eine Frist verpassen?

Was ist Arbeitslosengeld 1 (ALG 1)?

Arbeitslosengeld 1: Was ist das?

Arbeitslosengeld 1: Was ist das?

Arbeitslosengeld 1 ist eine Versicherungsleistung und nicht mit dem Arbeitslosengeld II (Hartz 4) zu verwechseln. Es handelt sich dabei um unterschiedliche Leistungen, die auf verschiedenen Voraussetzungen beruhen.

Wie wird Arbeitslosengeld 1 gezahlt? Die Beiträge werden von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern und deren Arbeitgebern finanziert. Erst wenn Sie die geforderte Mindestlaufzeit selbst versichert waren, haben Sie bei Eintritt des Versicherungsfalls Anspruch auf Arbeitslosengeld 1.

Das Recht auf Arbeitslosengeld 1 findet sich im Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III). Ihr Ansprechpartner ist die Bundesagentur für Arbeit bzw. die zuständige Agentur für Arbeit vor Ort. Dort können Sie das Arbeitslosengeld 1 auch beantragen.

Arbeitslosengeld 1 steht dem Leistungsempfänger nach Ende eines Beschäftigungsverhältnisses zur Verfügung. Voraussetzung ist unter anderem allerdings, dass Sie sich bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend und arbeitslos gemeldet haben.

Beachten Sie, dass für diese beiden Meldungen verschiedene Fristen gelten und diese unabhängig voneinander erfolgen:

  • Arbeitssuchend müssen Sie sich spätestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses melden.
  • Arbeitslos müssen Sie sich spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit melden.

Wer bekommt Arbeitslosengeld 1?

Alles zum Arbeitslosengeld 1 steht im SGB III.

Alles zum Arbeitslosengeld 1 steht im SGB III.

Grundlegende Voraussetzung, um Arbeitslosengeld 1 zu bekommen, ist, dass Sie arbeitslos sind. Als arbeitslos gilt, wer

  1. in keinem Beschäftigungsverhältnis steht,
  2. bemüht ist, seine Arbeitslosigkeit zu beenden und
  3. den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung steht.

Um Arbeitslosengeld 1 zu erhalten, müssen folgende weitere Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Sie müssen als arbeitssuchend gemeldet sein.
  • Sie müssen als arbeitslos gemeldet sein.
  • Sie müssen die Anwartschaftszeit gemäß § 142 SGB III erfüllen.
Sobald Sie das für die Regelaltersrente erforderliche Lebensjahr erreicht haben, haben Sie mit Beginn des folgenden Monats keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld 1.

Nach § 142 Abs 1. SGB III gilt zur Anwartschaftszeit Folgendes:

Die Anwartschaftszeit hat erfüllt, wer in der Rahmenfrist (§ 143) mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden hat. Zeiten, die vor dem Tag liegen, an dem der Anspruch auf Arbeitslosengeld wegen des Eintritts einer Sperrzeit erloschen ist, dienen nicht zur Erfüllung der Anwartschaftszeit.

Zwölf Monate entsprechen nach § 339 SGB III 360 Tagen, da jeder Monat mit 30 Tagen berechnet wird. Versicherungspflichtig sind Sie auch, wenn Sie sich in Elternzeit befinden oder Wehr- und Zivildienst ableisten. Sie haben also auch nach dieser Zeit einen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1.

Bei versicherungswidrigem Verhalten droht eine Sperrzeit

Leistungen, wie Arbeitslosengeld 1, erhalten Betroffene nur, wenn Sie sich an die Regelungen halten. Missachten Sie diese, drohen Sperrzeiten. Wie lange diese anhalten, ergibt sich aus dem Einzelfall. Sie liegen aber zwischen einer und zwölf Wochen.

In dieser Zeit erhalten Sie dann kein Arbeitslosengeld I und entsprechend wird auch die Dauer des Anspruchs herabgesetzt.

Arbeitslosengeld 1 fällt mit Kind höher aus.

Arbeitslosengeld 1 fällt mit Kind höher aus.

Die Zahlung von ALG 1 erfolgt beispielsweise erst nach der Sperrzeit, wenn

  • Sie Ihre Arbeitslosigkeit durch eine Kündigung selbst oder durch Ihr arbeitsvertragswidriges Verhalten herbeigeführt haben,
  • eine angebotene und zugleich zumutbare Beschäftigung nicht angenommen haben oder dies durch Ihr Verhalten verhindert haben,
  • die Eigenbemühung, die die Agentur für Arbeit forderte, nicht nachwiesen,
  • Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung, zur beruflichen Aus- bzw. Weiterbildung oder zur Teilhabe am Arbeitsleben verweigert haben,
  • Maßnahmen abgebrochen bzw. mit Ihrem Verhalten für einen Ausschluss herbeigeführt haben,
  • Sie sich nicht rechtzeitig arbeitssuchend gemeldet haben,
  • einer Aufforderung der Agentur für Arbeit, wie einen ärztlichen Untersuchungstermin wahrzunehmen, nicht nachgekommen sind.

Wie berechnet man Arbeitslosengeld 1?

Woraus ergibt sich die Höhe des ALG 1?

Die Berechnungsgrundlage bildet das versicherungspflichtige Bruttoarbeitsentgelt, welches der Arbeitslose im letzten Jahr vor der Arbeitslosigkeit durchschnittlich erzielt hat.

Aus diesem Bruttoentgelt wird unter Berücksichtigung der Entgeltabzüge, die gewöhnlicherweise anfallen, ein pauschaliertes Nettoentgelt berechnet. Arbeitslose mit einem Kind erhalten 67 % dieses Nettoentgelts, alle übrigen Arbeitslosen 60 %.

Wie lange Sie nun Arbeitslosengeld 1 erhalten, ergibt sich aus der Dauer der versicherungspflichtigen Beschäftigungen der letzten fünf Jahre und aus dem Lebensalter bei Entstehung des Anspruchs (§ 147 Abs. 2 SGB III).

Versicherungspflicht in den letzten 5 Jahren in MonatenVollendetes LebensjahrHöchstanspruchsdauer in Monaten
126
168
2010
2412
3050.15
3655.18
4858.24

Die Tabelle zeigt, dass Arbeitslose, die das 50. Lebensjahr noch nicht beendet haben, maximal 12 Monate Arbeitslosengeld 1 beziehen können. Die Höchstdauer von 24 Monaten bekommen nur Personen zugesprochen, die das 58. Lebensjahr vollendet haben und in den letzten fünf Jahren mindestens 48 Monate beschäftigt waren.

Tipp: Beim Arbeitslosengeld 1 kann die Zahlung positiv beeinflusst werden, wenn Sie ggf. den Antrag erst nach Ihrem 50., 55 bzw. 58. Geburtstag stellen. Darüber hinaus erhalten Sie ggf. mehr Geld, wenn Sie in den letzten Jahren bereits schon einmal ALG I bekommen haben, Sie aber die Anspruchsdauer nicht voll ausgeschöpft haben. Unter Umständen verlängert sich so Ihre Anspruchsdauer.

Bis 31. Juli 2018 gilt noch die verkürzte Anwartschaft

Einen festen Mindestsatz beim Arbeitslosengeld 1 gibt es nicht. Ggf. können Sie mit Hartz 4 aufstocken.

Einen festen Mindestsatz beim Arbeitslosengeld 1 gibt es nicht. Ggf. können Sie mit Hartz 4 aufstocken.

Personen, die in den letzten zwei Jahren nun weniger als zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren, erhalten unter Umständen dennoch Arbeitslosengeld 1, wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie waren in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Monate versicherungspflichtig beschäftigt,
  • es sich dabei um Arbeitsverhältnisse handelte, die von vornherein auf maximal sechs Monate befristet waren und
  • Ihr Bruttoentgelt in den letzten zwölf Monaten nicht 34.020 Euro überschritten hat.

Wie lange Sie dann Arbeitslosengeld 1 erhalten, zeigt folgende Tabelle:

Versicherungspflichtverhältnisse mit einer Dauer von insgesamt mind.Höchstanspruchsdauer in Monaten
6 Monaten3
8 Monaten4
10 Monaten5
Was kommt nach Arbeitslosengeld 1? Konnten Sie während des ALG-1-Bezugs keine neue Stelle finden und haben die Höchstdauer ausgeschöpft, erhalten Sie unter Umständen Hartz-4-Leistungen (Arbeitslosengeld II). Voraussetzung ist aber unter anderem, dass Sie über kein oder nur ein geringes Einkommen verfügen. Außerdem dürfen Sie kein Vermögen besitzen, welches die Freibeträge überschreitet.

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