Hilfebedürftigkeit: Was sie bedeutet und wen sie betrifft

Kurze Zusammenfassung zum Thema “Hilfebedürftigkeit”

  1. Die Hilfebedürftigkeit ist im Sozialgesetzbuch (SGB) II und XII geregelt.
  2. Wer hilfebedürftig ist, kann seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen finanzieren und auch von Menschen in seinem Umfeld nicht hinreichend unterstützt werden.
  3. Wird die Hilfebedürftigkeit nachgewiesen, unterstützt der Staat die Betroffenen durch Sozialleistungen, um ihnen ein menschenwürdiges Dasein trotz Arbeitslosigkeit, Altersarmut oder Erwerbsminderung zu ermöglichen.

Damit eine Person Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 (Alg 2), auch Hartz 4 genannt, hat, muss sie hilfebedürftig, erwerbsfähig und sich in ihrem Alter zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter bewegen. Aber was bedeutet Hilfebedürftigkeit eigentlich genau? Nachdem Sie diesen Ratgeber gelesen haben, wissen Sie es!


Hilfebedürftigkeit nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II)

Hilfebedürftigkeit: Nicht jeder, der arbeitslos ist, gilt als hilfebedürftig.

Hilfebedürftigkeit: Nicht jeder, der arbeitslos ist, gilt als hilfebedürftig.

Wer mit seinem Hartz-4-Antrag Aussicht auf Erfolg haben und vom Jobcenter einen Bewilligungsbescheid erhalten will, um die finanzielle Grundsicherung zu bekommen, muss nachweisen, dass er einen Anspruch auf die staatliche Leistung hat. Die Mitarbeiter überprüfen nämlich, ob die betreffende Person die Bedingungen der Hilfebedürftigkeit erfüllt und ihr demnach Hartz 4 zusteht. Die Prüfung ist notwendig, weil Arbeitslosigkeit nicht gleichzeitig auch Hilfebedürftigkeit bedeutet.

In § 9 Absatz 1 des SGB 2 wird Hilfebedürftigkeit wie folgt definiert:

Hilfebedürftig ist, wer seinen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus dem zu berücksichtigenden Einkommen oder Vermögen sichern kann und die erforderliche Hilfe nicht von anderen, insbesondere von Angehörigen oder von Trägern anderer Sozialleistungen, erhält.

Durch die Definition wird auch klar, dass sowohl Personen, die gar kein Einkommen vorzuweisen haben, als auch solche mit geringem Einkommen Hartz 4 erhalten können. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Verdienst eine gewisse Höhe nicht überschreiten darf, weil sonst der Leistungsanspruch erlischt. Arbeitslose, Selbstständige oder Geringverdiener können, sofern sie unterhalb der zulässigen Vermögensgrenze liegen, unter Umständen Alg 2 beziehen.
Lebt der Leistungsberechtigte nicht allein, sondern in einer Bedarfsgemeinschaft, wird das Vermögen aller Mitglieder dieser Gemeinschaft mit in die Berechnung einbezogen.

Beispiel: Verdient der Ehepartner etwa so viel, dass es zur Bestreitung des gemeinsamen Lebensunterhalts ausreicht, erhält auch der andere Partner kein Geld. Reicht das Einkommen für beide nicht aus, wird das überschüssige Geld anteilig auf den Hartz-4-Satz angerechnet. Dahinter steht die Überzeugung, dass sich die Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft finanziell gegenseitig unterstützen und damit keine Hilfebedürftigkeit mehr vorliegt.

Hilfebedürftigkeit nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch (SGB XII)

Hilfebedürftigkeit nach dem SGB besteht auch bei Fällen von Altersarmut.

Hilfebedürftigkeit nach dem SGB besteht auch bei Fällen von Altersarmut.

Im SGB XII wird die Grundsicherung im Alter und im Falle einer Erwerbsminderung geregelt. Ebenso wie beim Arbeitslosengeld 2 muss die Hilfebedürftigkeit belegt werden, damit die Leistung letzten Endes gewährt werden kann.

Obgleich im Zwölften Sozialgesetzbuch nicht explizit von Hilfebedürftigkeit gesprochen wird, zählt sie dennoch auch hier zu den Voraussetzungen für den Leistungsbezug und erinnert sehr stark an die Definition aus dem SGB 2.

Eine der zentralen Voraussetzungen für den Leistungsbezug nach § 19 Absatz 1 SGB XII ist folgende:

Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel ist Personen zu leisten, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln, insbesondere aus ihrem Einkommen und Vermögen, bestreiten können.

Hilfebedürftigkeit vs. Hilfsbedürftigkeit

Da sie sehr ähnlich klingen, sind sich viele Menschen nicht bewusst, dass Hilfe- und Hilfsbedürftigkeit komplett unterschiedliche Bedeutungen haben und verwenden sie deshalb stellvertretend füreinander.
Hilfebedürftigkeit ist ein Begriff aus dem Sozialrecht und umschreibt Personen, die aufgrund ihrer finanziellen Notsituation Anspruch auf staatliche Leistungen haben.

Hilfsbedürftigkeit bezieht sich hingegen auf jene Personen, die durch Unfall oder Krankheit ihr Leben nicht allein bestreiten können, sondern auf die Unterstützung anderer angewiesen sind. Hilfsbedürftige können sich natürlich auch in einer finanziellen Notlage befinden und damit hilfebedürftig sein.

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