Krankenversicherung – Wer zahlt, wenn Sie arbeitslos sind?

Kurze Zusammenfassung zur Krankenversicherung

  1. Wenn Sie Arbeitslosengeld I (ALG 1) beziehen, besteht eine Versicherungspflicht in der Krankenversicherung. Die Agentur für Arbeit bezahlt dann die fälligen Beiträge für die Versicherung.
  2. Auch Hartz-4-Empfänger müssen in der Regel nicht selbst für die Krankenversicherung aufkommen. Das Jobcenter zahlt meist die Beiträge für den Versicherungsschutz bei einer der Krankenkassen.
  3. Ausnahmen bestehen, wenn eine Person nicht versicherungspflichtig ist. Dies ist etwa der Fall, wenn sie freiwillig gesetzlich oder privat versichert ist. In diesem Fall zahlt das Jobcenter bzw. die Arbeitsagentur lediglich einen Zuschuss.

Droht die Arbeitslosigkeit, ist dies meist ein schwerer Schlag, Neben der Sorge vor finanziellen Schwierigkeiten plagen sich Betroffene auch mit anderen Problemen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Krankenversicherung. Weist Sie die Krankenkasse bei Arbeitslosigkeit ab? Wer bezahlt die Krankenversicherung, wenn Sie ALG-1- oder Hartz-4-Empfänger sind?

Wofür wird eine Krankenversicherung benötigt?

Wer bezahlt die Beiträge für die Krankenkasse, wenn Sie arbeitslos werden?

Wer bezahlt die Beiträge für die Krankenkasse, wenn Sie arbeitslos werden?

Eine Krankenversicherung kommt teilweise bzw. gänzlich für die Kosten auf, die durch eine medizinische Behandlung entstehen. Krankenkassen zahlen also etwa Heil- und Arzneimittel sowie die Behandlung in einem Krankenhaus oder in einer Arztpraxis.

Auch eine Psychotherapie kann beispielsweise bezahlt werden. In Deutschland besteht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht.

Das bedeutet, dass sich die meisten Personen bei einer der Krankenkassen zwingend versichern müssen, wenn sie keinen Anspruch auf eine andere Absicherung im Krankheitsfall haben.

Wussten Sie schon? Deutschland war das erste Land, in dem ein soziales Krankenversicherungs­system auf nationaler Ebene eingeführt wurde. Schon im Jahr 1883 wurde unter dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck das „Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter“ erlassen. Arbeiter in der Industrie, im Handwerk und Gewerbe waren durch dieses Gesetz dazu verpflichtet, eine Krankenversicherung bei einer der Krankenkassen abzuschließen. Der Arbeitgeber trug damals ein Drittel der dafür nötigen Beiträge, der Arbeiter selbst die übrigen zwei Drittel.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Grundsätzlich wird zwischen zwei verschiedenen Formen der Krankenversicherung in Deutschland unterschieden. Es gibt die gesetzliche und die private Krankenversicherung. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist mit rund 87 Prozent der größte Teil der Bevölkerung bei einer der gesetzlichen Krankenkassen versichert. Das sind insgesamt etwa 70 Millionen Menschen.

Alle gesetzlichen Krankenkassen müssen bezüglich der angebotenen Leistungen gewisse Standards einhalten, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Viele Krankenkassen bieten jedoch auch zusätzliche Leistungen an, weshalb sich ein Vergleich durchaus lohnt. Wie viel eine Person für die Krankenversicherung bezahlen muss, hängt davon ab, wie viel sie verdient.

Im Regelfall beträgt der Beitragssatz 14,6 Prozent des Einkommens. Diesen Betrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sie zahlen jeweils die Hälfte des Beitrags. Des Weiteren verlangen die meisten Krankenkassen einen sogenannten Zusatzbeitrag. Dieser liegt – je nach Versicherer – bei etwa 0,3 bis 1,8 Prozent. Der Zusatzbeitrag für die Versicherung muss komplett vom Arbeitnehmer gezahlt werden.

Die private Krankenversicherung (PKV)

Plötzlich arbeitslos: Haben Sie keine Krankenversicherung mehr?

Plötzlich arbeitslos: Haben Sie keine Krankenversicherung mehr?

Neben der gesetzlichen gibt es noch die private Krankenversicherung. Während die gesetzliche Krankenversicherung keinen Antragsteller abweisen darf, können sich nur bestimmte Personen privat versichern lassen. Zum Personenkreis gehören unter anderem:

  • Studenten
  • Beamte
  • Selbstständige/Freiberufler
  • Angestellte, bei welchen das Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (57.600 Euro im Jahr bzw. 4.800 Euro im Monat; Stand 2017)

In der Regel bietet die private Krankenversicherung sehr viel mehr Leistungen an als ihr gesetzliches Pendant. Dafür müssen die Versicherten oft mit einem höheren Beitragssatz rechnen. Wie hoch dieser ausfällt, wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Hierzu gehören unter anderem der Beruf, das Alter sowie Vorerkrankungen des Versicherten. Auch die Auswahl der Leistungen kann die Kosten in die Höhe treiben.

Personen, die nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig sind, haben trotzdem die Möglichkeit, sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Wie hoch der Beitragssatz ausfällt, hängt vom Einkommen des Versicherten ab.

Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit – Wer zahlt die Beiträge?

Was geschieht aber, wenn eine Person arbeitslos wird und ALG 1 oder 2 erhält? Muss sie dann selbst für die Kosten aufkommen? Was kostet eine Krankenversicherung bzw. Krankenkasse für Arbeitslose? Oder haben Betroffene gar keine gesetzliche Krankenversicherung, wenn sie arbeitslos werden?

Solche Fragen stellen sich viele, die kurz davor stehen, ihre Arbeit zu verlieren. Die gute Nachricht vorweg: Erhalten Sie Arbeitslosengeld, wird die Krankenversicherung im Regelfall von dem zuständigen Leistungsträger übernommen.

Ist eine Person arbeitssuchend, wird die Krankenversicherung in der Regel von der Agentur für Arbeit bezahlt.

Ist eine Person arbeitssuchend, wird die Krankenversicherung in der Regel von der Agentur für Arbeit bezahlt.

Sowohl wenn Sie ALG-1-Leistungen als auch wenn Sie Hartz 4 beziehen, besteht normalerweise eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sind Sie arbeitslos, wird die Krankenversicherung entweder von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter bezahlt. Sie sind also weiterhin bei einer der Krankenkassen versichert und müssen den Beitragssatz nicht selbst bezahlen.

In der Regel ist auch kein Wechsel bezüglich der Krankenkassen nötig – sie bleiben ganz einfach bei der Krankenkasse, über die Sie auch schon vorher versichert waren. Einzig, wenn Sie noch nie zuvor versichert waren oder die Arbeitsagentur bzw. das Jobcenter nicht nachvollziehen kann, bei welchem Versicherer Sie versichert waren, legt der Leistungsempfänger eine der Krankenkassen für Sie fest.

Beachten Sie jedoch: Sie sind durch die Agentur für Arbeit nur dann versichert, wenn Sie tatsächlich Leistungen beziehen. Ruht Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld 1, etwa wegen einer Sperrzeit oder einer Urlaubsabgeltung, so sind Sie erst ab Beginn des zweiten Monats des Ruhezeitraums versichert. In der Regel greift im ersten Monat der Arbeitslosigkeit jedoch noch die Nachversicherungspflicht Ihrer Krankenkasse. Haben Sie etwa gekündigt und wurde Ihnen deshalb eine längere Sperrzeit auferlegt, sollten Sie sich also rechtzeitig mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen, damit ein lückenloser Versicherungsschutz gewährleistet ist.

ALG-2-Leistungen stehen einer Person unter anderem nur dann zu, wenn sie erwerbsfähig ist – also wenn sie mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann. Ist jemand nicht erwerbsfähig, lebt aber mit einem erwerbsfähigen Hartz-4-Empfänger zusammen in einer Bedarfsgemeinschaft, so erhält diese Person Sozialgeld. Bezieher von Sozialgeld sind in der Regel in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert.

Wer zahlt die private Krankenversicherung, wenn Sie arbeitslos werden?

Private Krankenkasse bei Arbeitslosigkeit: Versicherte erhalten lediglich einen Zuschuss.

Private Krankenkasse bei Arbeitslosigkeit: Versicherte erhalten lediglich einen Zuschuss.

Was geschieht jedoch bei einer privaten Absicherung? Müssen Sie, wenn Sie arbeitslos werden, die Krankenversicherung selber zahlen? Oder wird der Krankenkassenbeitrag bei Arbeitslosigkeit vom Jobcenter bzw. der Agentur für Arbeit übernommen?

Wie bereits erwähnt wurde, sind Sie grundsätzlich in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig, wenn Sie ALG 1 oder 2 beziehen. In gewissen Fällen können Sie sich jedoch von dieser Pflicht befreien lassen. Dies ist möglich, wenn Sie in den vergangenen fünf Jahren privat versichert waren bzw. wenn Sie bei Beginn der Arbeitslosigkeit bereits das 55. Lebensjahr vollendet haben. Im ersten Fall müssen Sie der Arbeitsagentur einen Befreiungsbescheid vorlegen, den Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse beantragen können. Im zweiten Fall entfällt diese Pflicht.

Dürfen Sie weiterhin in der privaten Krankenversicherung bleiben, übernimmt die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter jedoch nicht die kompletten Kosten. Leistungsempfänger erhalten lediglich einen Zuschuss zur Krankenversicherung.

Beziehen Sie ALG 1, beträgt dieser Zuschuss den Betrag, der für eine gesetzliche Krankenversicherung fällig wäre. Erhält eine Person Hartz-4-Leistungen, umfasst der Zuschuss die Hälfte des Basistarifs, welcher von der privaten Krankenversicherung festgelegt wird.

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