Hartz 4: Ist eine Krankschreibung nötig?

Kurze Zusammenfassung: Hartz-4-Krankschreibung

  1. Eine Erkrankung ist dem Jobcenter in der Regel unverzüglich zu melden. Spätestens am dritten Tag müssen Leistungsempfänger ein ärztliches Attest vorlegen.
  2. Meldetermine und Maßnahmen müssen in der Regel während der Krankheit nicht besucht werden.
  3. Bei Hartz 4 bleibt eine Krankschreibung über mehrere Wochen normalerweise ohne besondere Konsequenzen.
  4. Besteht die Krankheit wahrscheinlich länger als ein halbes Jahr, gilt der Leistungsempfänger als erwerbsunfähig.

Wer Hartz 4 oder andere Sozialleistungen bezieht, hat gegenüber dem Leistungsträger gewisse Verpflichtungen. Im Fall von Arbeitslosengeld (Alg) 2 ist dies beispielsweise die Melde- und Auskunftspflicht. Welche Pflichten der Leistungsempfänger hat, kann dieser beispielsweise in der Eingliederungsvereinbarung nachlesen. Wann muss bei Hartz-4-Bezug eine Krankschreibung vorgelegt werden?

Krankschreibung bei Hartz 4: Ist die Krankmeldung obligatorisch?

Bei Hartz-4-Bezug ist eine Krankschreibung ab dem dritten Krankheitstag nötig.

Bei Hartz-4-Bezug ist eine Krankschreibung ab dem dritten Krankheitstag nötig.

Grundsätzlich haben Leistungsempfänger die Pflicht, dem Jobcenter gegenüber eine Erkrankung zu melden.

Vor Ablauf des dritten Kalendertages einer Krankheit muss außerdem eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit vorliegen.

Grundlage für diese Bestimmungen ist § 56 des Zweiten Sozialgesetzbuches (SGB) zur Anzeige- und Bescheinigungspflicht bei Arbeitsunfähigkeit.

Dort ist die bei Hartz-4-Bezug nötige Krankschreibung folgendermaßen geregelt:

(1) Die Agentur für Arbeit soll erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts beantragt haben oder beziehen, in der Eingliederungsvereinbarung oder in dem diese ersetzenden Verwaltungsakt nach § 15 Absatz 3 Satz 3 verpflichten,

  1. eine eingetretene Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen und
  2. spätestens vor Ablauf des dritten Kalendertages nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer vorzulegen.

Meldetermine und Maßnahmen

Dies gilt insbesondere, wenn Termine beim Jobcenter anstehen oder sich der Empfänger von Hartz 4 in einer Maßnahme befindet. Die Krankmeldung ist für Hartz-4-Bezieher wichtig, denn nur so kann das Jobcenter sichergehen, dass dem Termin oder der Maßnahme nicht ohne wichtigen Grund ferngeblieben wurde – andernfalls könnte der Sachbearbeiter Sanktionen aufgrund einer Pflichtverletzung anordnen.

Hartz 4: Krankschreibung länger als 6 Wochen

Wer bei Hartz-4-Bezug länger als 6 Wochen krank ist, muss in der Regel keine besonderen Auswirkungen fürchten. Alg 2 wird auch nach einer wochenlangen Krankheit noch wie gewohnt ausgezahlt.

Lästig, aber nötig: Die Krankschreibung bei Hartz 4 erfolgt durch einen Arzt.

Lästig, aber nötig: Die Krankschreibung bei Hartz 4 erfolgt durch einen Arzt.

Anders kann es aussehen, wenn bei Hartz-4-Bezug eine Krankheit nicht nur über 6 Wochen andauert, sondern voraussichtlich mindestens ein halbes Jahr besteht. In dem Fall gelten Leistungsempfänger nicht länger als erwerbsfähig, wodurch der Anspruch auf Arbeitslosengeld wegfällt. Stattdessen erhalten Sie dann Grundsicherung bei Erwerbsunfähigkeit. Die Prüfung der Hartz-4-Krankschreibung durch den Amtsarzt ist dann nicht ungewöhnlich.

Ebenso wie Arbeitgeber tun sich auch Jobcenter schwer, wenn eine längerfristige Erkrankung oder eine psychische Problematik vorliegt. Was passiert, wenn bei Hartz 4 die Krankmeldung nicht akzeptiert wird oder das Jobcenter Zweifel hegt, weil jemand bei Hartz-4-Leistungen krankgeschrieben ist – bspw. wegen Despression. Was nun?

In der Regel hat das Jobcenter das Recht, den Leistungsempfänger zum medizinischen Dienst der Krankenkassen zu schicken, um die Krankmeldung bei Hartz 4 zu bestätigen.

Hilfe bei Problemen mit Hartz 4 und der Krankschreibung

Wer Hartz 4 bezieht und krankgeschrieben ist, hat oftmals mit Problemen zu kämpfen. Es kann helfen, einen Beistand mit zu den Terminen beim Jobcenter zu nehmen, um einen Zeugen für die dort getätigten Aussagen zu haben.

Auch die Hinzuziehung eines Anwalts für Sozialrecht kann sinnvoll sein, wenn die Krankmeldung nicht akzeptiert wird. Die Kosten können in der Regel durch einen Beratungshilfeschein gedeckt werden.

Bildnachweise: Fotolia.com/stadtratte, Depositphotos.com/Kireyonok

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2 Kommentare

  • mandy

    ich war bereizt beim mdk von dem jobcenter und der hat mich 6 monate arbeitsunfähig geschrieben bin ich da trotzdem verpflichtet noch krankenscheine vom hausarzt in dem zeitrum abzugeben mein vermittler verlangt das

  • boby

    Muß ich mich nach der krank Schreibung beim Jobcenter melden?
    Wie ich zb bis zum 03.03 krank geschrieben bin muss ich mit 04.03 beim Jobcenter melden?

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