Maßnahme vom Jobcenter: Welche Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit gibt es?

Kurz Zusammenfassung zur Maßnahme vom Jobcenter

  1. Ziel des Jobcenter ist es, Hartz-4-Empfänger dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu kann eine Maßnahme dienen zur beruflichen Eingliederung dienen.
  2. Als Maßnahmen zählen beispielsweise Bewerbungstrainings, Beratungen sowie Umschulungen und Weiterbildungen durch Träger oder den Arbeitgeber.
  3. Die Dauer einer Maßnahme darf maximal sechs bis zwölf Wochen betragen und muss vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit genehmigt werden.

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Wozu dient eine ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme)? Welche Maßnahmen bietet das Arbeitsamt an? Welche Dauer darf eine Maßnahme vom Jobcenter maximal haben? Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

Wozu dient die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM)?

Bei langer Arbeitslosigkeit können Maßnahmen vom Jobcenter genehmigt werden.

Bei langer Arbeitslosigkeit können Maßnahmen vom Jobcenter genehmigt werden.

Größtes Ziel der Jobcenter und der Agenturen für Arbeit ist es, Arbeitslose dauerhaft wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sodass diese nicht mehr von Sozialleistungen abhängig sind. Damit dies bestmöglich geschieht, können vom Jobcenter und der Agentur für Arbeit entsprechende Maßnahmen u. a. in der Eingliederungsvereinbarung festgehalten werden.

§ 45 Sozialgesetzbuch (SGB) III legt fest, wer eine Maßnahme vom Jobcenter in Anspruch nehmen kann und welche Maßnahmen von der Arbeitsagentur existieren. Arbeitssuchende und Arbeitslose können demnach eine Maßnahme vom Arbeitsamt besuchen, wenn die

berufliche Eingliederung durch

  1. Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt,
  2. Feststellung, Verringerung oder Beseitigung von Vermittlungshemmnissen,
  3. Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung,
  4. Heranführung an eine selbstständige Tätigkeit oder
  5. Stabilisierung einer Beschäftigungsaufnahme

[unterstützt wird.]

Die Weiterbildungsmaßnahmen von der Arbeitsagentur sollen dafür sorgen, dass eine Verbesserung der Eingliederungsaussichten in den Arbeitsmarkt erreicht wird. Dies gilt insbesondere für Arbeitslose, aber auch von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen. Aber auch Ausbildungssuchende können von der Maßnahme vom Jobcenter profitieren.

Sinnlose ABM: Darf die Maßnahme vom Arbeitsamt abgelehnt werden?

Müssen Hartz-4-Maßnahmen von Leistungsberechtigten allerdings grundsätzlich hingenommen werden oder können Hartz-4-Empfänger diese auch ablehnen, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen? Diesbezüglich urteilte das Sozialgericht Leipzig am 9. Juni 2016 [Az. S 1 AL 251/15], dass unsinnige und entwürdigende Maßnahmen von Hartz-4-Empfängern und ALG-1-Beziehern nicht hingenommen werden müssen.

Geklagt hatte eine 61-Jährige aus Schkeuditz. Sie arbeitete als Diplom-Wirtschaftsingenieurin und war von 2005 bis 2014 durchgängig als Buchhalterin angestellt. Betriebsbedingt verlor sie ihren Job und hatte bis Frühjahr 2017 Anspruch auf Arbeitslosengeld 1.
Sofern die Voraussetzungen erfüllt werden, bewilligt die Arbeitsagentur Maßnahmen zur Wiedereingliederung.

Sofern die Voraussetzungen erfüllt werden, bewilligt die Arbeitsagentur Maßnahmen zur Wiedereingliederung.

Von der zuständigen Agentur für Arbeit wurde sie dazu aufgefordert, eine Kompakt-Maßnahme zu besuchen. In dieser sollte die Frau einen Einblick in verschiedene Berufszweige wie Holztechnik und Pflegehilfe bekommen. Die Ingenieurin sah dies als Schikane an und nahm nicht an der Weiterbildungsmaßnahme vom Arbeitsamt teil.

Nach zurückgewiesenen Widersprüchen, landete der Fall vor dem Sozialgericht. Dieses urteilte zugunsten der Leistungsberechtigten und begründete dies mit einer guten Arbeitsmarktlage für Buchhalter. Die Maßnahme vom Arbeitsamt würde die Eingliederung dementsprechend nicht vorantreiben.

Besonders häufig sind Hartz-4-Empfänger davon betroffen, dass ihnen eine sinnlose Maßnahme vom Jobcenter auferlegt wird. Als Leistungsberechtigter haben Sie allerdings immer die Möglichkeit, einen Widerspruch einzuzulegen und im Notfall vor Gericht zu gehen. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht ein Anspruch auf kostenlose Beratungshilfe.

Welche Maßnahmen gibt es vom Jobcenter?

Es gibt unterschiedliche Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit von der Agentur für Arbeit. Dazu gehören u. a. Maßnahmen für Arbeitslose, die bei einem Träger durchgeführt werden. Die Maßnahme vom Jobcenter kann dafür sorgen, dass ein Hartz-4-Empfänger sich für ein anderes Berufsfeld qualifiziert.

Wichtig ist, dass durch die berufliche Eingliederungsmaßnahme die Eignung für eine berufliche Tätigkeit oder eine Leistung der aktiven Arbeitsförderung festgestellt werden kann. Die Maßnahme vom Arbeitsamt soll die Selbstsuche und Vermittlung von Arbeitslosen unterstützen. Dazu kann auch ein Bewerbungstraining oder eine Beratung dienen.

Eine Umschulungsmaßnahme vom Arbeitsamt kann zudem dazu dienen, dass der Hartz-4-Empfänger eine Stelle in einem fremden Berufsfeld bekommt. Umschulungen und Weiterbildungen machen vor allem Sinn, wenn im erlernten Beruf keine entsprechenden Jobangebote vorhanden sind.

Während der Maßnahme vom Jobcenter erhalten Leistungsberechtigte weiterhin Hartz 4 oder ALG 2. Zudem werden die Fahrtkosten von der Behörde erstattet. Kann durch die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme das Kind nicht betreut werden, übernimmt das Jobcenter auch die Kinderbetreuungskosten.

Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren werden bei einer Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit von der zuständigen Behörde bezahlt. Eine Fortbildungsmaßnahme vom Arbeitsamt kann durch eine Förderzusicherung durch einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) erfolgen.

Agentur für Arbeit: Welche Maßnahmen werden bewilligt?

Agentur für Arbeit: Welche Maßnahmen werden bewilligt?

Neben einer Maßnahme vom Jobcenter, die von einem Träger durchgeführt wird, existieren auch Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland, die bei einem Arbeitgeber absolviert werden. Damit vom Arbeitsamt die Maßnahme genehmigt wird, muss diese angemessen sein und die Eingliederungsaussichten verbessern.

Die Maßnahme wird vom Jobcenter nicht genehmigt, wenn der Arbeitslose innerhalb der letzten vier Jahre mehr als drei Monate beim Arbeitgeber versicherungspflichtig beschäftigt war. Auch wenn der Arbeitgeber dem Arbeitslosen den Job im Vorfeld schon angeboten hat, genehmigt das Jobcenter die Maßnahme nicht.

Die Maßnahme vom Arbeitsamt wird außerdem nur genehmigt, wenn eine Beschäftigung nur mit der Maßnahme erwartet werden kann und sie einer Eignungsfeststellung dient.

Wie lange dauert eine Maßnahme vom Jobcenter?

Gesetzlich ist in § 45 SGB III festgeschrieben, dass Maßnahmen, die durch einen Arbeitgeber durchgeführt werden, nur maximal sechs Wochen lang vom Jobcenter gefördert werden. Werden in der Maßnahme berufliche Kenntnisse vermittelt und dient diese der beruflichen Eingliederung, darf diese nicht länger als acht Wochen sein.

Handelt es sich bei der Maßnahme vom Jobcenter um eine berufliche Eingliederung bei einem Träger, beispielsweise mittels Vermittlungsgutschein, darf diese eine Dauer von 12 Wochen nicht überschreiten.

Bildnachweise: istockphoto.com/shironosov, istockphoto.com/monkeybusinessimages

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