Praktikum: Für Schüler und Studenten besonders nützlich

Kurze Zusammenfassung zu Praktika

  1. Bei einem freiwilligen Praktikum besteht in der Regel ein Vergütungsanspruch.
  2. Absolvierte Praktika werten den Lebenslauf auf und erhöhen die Chance auf eine Festanstellung.
  3. Es richtet sich nach der Art des Praktikums, welche Sozialversicherungen bestehen müssen.

Ein Praktikum ermöglicht das Sammeln von praktischen Erfahrungen im Berufsleben und bietet viele weitere Vorteile. Angehende Praktikanten sind sich jedoch oft nicht über ihre Rechte im Klaren. Dabei gibt es auch hier klare Vorgaben in Bezug auf Bezahlung, Urlaub und Versicherung.

Was definiert eigentlich ein Praktikum?

“In welchem Bereich möchte ich einmal arbeiten?” Mit dieser Frage sehen sich täglich viele Schüler und Studenten konfrontiert. Nicht immer lässt sich die wirtschaftliche Zukunft von den eigenen Hobbies ableiten. Herrscht diesbezüglich Unsicherheit, kann ein In- oder Auslandspraktikum für Klarheit sorgen. Dieses fungiert in der Regel wie ein Schnupperkurs, in dem ein Unternehmen sowie die dazugehörige Branche kennengelernt und erste Arbeitserfahrungen gemacht werden können.

Je nach Art des Praktikums kann ein Praktikant bzw. eine Praktikantin aber auch zeitlich und arbeitstechnisch wie ein Vollzeitbeschäftigter beansprucht werden.
Ein Praktikum im Ausland erweist sich oft als gewinnbringende Erfahrung.

Ein Praktikum im Ausland erweist sich oft als gewinnbringende Erfahrung.

Eine spezielle gesetzliche Regelung zu Praktika gibt es nicht. Das Bundesarbeitsgericht definiert ein Praktikum jedoch als eine Tätigkeit, die vorübergehend ist und mit dem Erwerb von praktischen Kenntnissen einhergeht. Grundsätzlich wird zwischen zwei Praktikumsarten unterschieden:

  • Freiwilliges Praktikum: Tritt jemand freiwillig eine Stelle als Praktikant an, besitzt er einige Rechte, die mit denen vergleichbar sind, welche Auszubildende besitzen. Dauern Praktika dieser Art länger als einen Monat, besteht beispielsweise ein Anspruch auf Vergütung.
  • Pflichtpraktikum: Pflichtpraktika sind grundsätzlich in den Studienordnungen vieler Studenten vorgeschrieben. Diese gilt es zu absolviert, wenn ein Abschluss des Studiums angestrebt wird. Ein Vergütungsanspruch besteht in diesem Fall nicht, alternativ kann jedoch in den meisten Fällen Bafög bezogen werden. Das gilt auch dann, wenn ein Praktikum eine Zulassungsvoraussetzung für einen Studienplatz ist.
Als dritte Minikategorie lassen sich Schülerpraktika definieren. Diese werden vorrangig in der Sekundarstufe 1 in der neunten oder zehnten Jahrgangsstufe durchgeführt und sind nicht länger als zwei bis drei Wochen. Ein Vergütungsanspruch besteht hier ebenfalls nicht, da es sich um eine schulische Pflichtveranstaltung handelt, bei welcher der Gewinn neuer Erkenntnisse im Vordergrund steht. Praktika dieser Art enden oft damit, dass die Schüler einen Praktikumsbericht anfertigen.

Bezahltes Praktikum: Der Mindestlohn ist nicht immer Pflicht

Wie bereits erwähnt, besteht nur bei einem freiwilligen Praktikum ein Anspruch auf Vergütung. Wer aus freien Stücken als Praktikant tätig wird, wird vor dem Gesetz wie ein Azubi behandelt, wodurch § 17 Berufsbildungsgesetz (BBiG) zum Tragen kommen. Absatz 1 des Paragraphen besagt mitunter:

Ausbildende haben Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu gewähren.”

Trotzdem werden immer noch viele Praktika ohne Bezahlung angeboten, obwohl seit 2015 die Regelungen des Mindestlohngesetzes (MiLoG) dafür sorgen, dass vielen Praktikanten der Mindestlohn gezahlt werden muss.

Ein Orientierungspraktikum muss in jedem Fall ein bezahltes Praktikum sein. Der Mindestlohn ist jedoch nicht immer Pflicht.

Ein Orientierungspraktikum muss in jedem Fall ein bezahltes Praktikum sein. Der Mindestlohn ist jedoch nicht immer Pflicht.

Der Gesetzgeber hat jedoch einige Ausnahmen festgelegt. So besteht kein Anspruch auf Mindestlohn, wenn ein freiwilliges Praktikum begleitend zum Studium absolviert wird.

Auch freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate laufen und bei der Berufs- oder Studienwahl helfen sollen, müssen nicht mit dem Mindestlohn vergütet werden. Diese fallen unter die Einstiegsqualifizierung im Sinne von § 54 a des Dritten Sozialgesetzbuches (SGB III).

Nicht zuletzt sind unter 18-Jährige ebenfalls ausgeschlossen. Kritische Stimmen lassen verlauten, dass Unternehmer durch diese Regelungen wahrscheinlich nur noch Pflichtpraktikanten einstellen bzw. die Praktikumsdauer eher verkürzen.

Hartz-4-Empfänger, die nach dem Studium arbeitssuchend sind, dürfen in seltenen Fällen auch ein kurzzeitiges Praktikum absolvieren, wenn es der Eingliederung in die Arbeitswelt dient. Dabei sollten Sozialhilfeempfänger darauf achten, dass das Einkommen mit der Grundsicherung verrechnet wird.

Die Vorteile eines Praktikums

Gerade im Studium ist es oft sinnvoll, sich an die Bewerbung für ein Praktikum zu wagen. Praktikanten, die ein neues Unternehmen kennenlernen, können viele Vorteile aus ihrer Tätigkeit ziehen. Es folgt eine Auswahl:

  • Praktische Fähigkeiten werden belegt: Es ist wichtig, praktische Erfahrungen aus einem Praktikum nachzuweisen. Die Bewerbung, die für vollwertige Stellen nach dem Studium notwendig ist, kann erst richtig effektiv sein, wenn ihr Belege zu praktischer Berufserfahrung beiliegen. Ein absolviertes Praktikum zeigt einem Personaler, dass der betreffende Absolvent auch praktisch versiert ist.
  • Ein Praktikum sorgt für Berufserfahrung und steigert nicht selten das berufliche Selbstbewusstsein.

    Ein Praktikum sorgt für Berufserfahrung und steigert nicht selten das berufliche Selbstbewusstsein.

  • Es sammeln sich Kontakte in der Berufswelt an: Die Wirkung von „Vitamin B“ in der Berufswelt wird oft unterschätzt. Es kann extrem hilfreich sein, wenn gute Beziehungen zu ehemaligen Vorgesetzten und Personalern bestehen. Diese können einen ehemaligen Praktikanten an andere Unternehmen empfehlen, was die Chance auf eine Anstellung stark erhöht.
  • Selbst schlechte Praktika sind hilfreich: Auch wenn ein Praktikum sich als absoluter Reinfall erweist, kann der Praktikant wertvolle Erfahrungen sammeln. Schon der Gedanke: „In diesem Bereich möchte ich nicht mehr arbeiten“, hilft bei der zukünftigen Berufswahl.

Der Versicherungsstatus von Praktikanten

Oft ist nicht klar, auf welche Weise ein Praktikant versichert werden muss. Auch dabei kommt es auf die Art des Praktikums an. Ein Pflichtpraktikum, das nicht vergütet wird, muss sowohl eine Krankenversicherung als auch eine Pflegeversicherung bestehen. Besteht eine Familienversicherung, ist keine zusätzliche Krankenversicherung notwendig.

Bei vorgeschriebenen und freiwilligen Praktika, die vergütet werden, besteht grundsätzlich Versicherungspflicht. Das gilt auch dann, wenn nur eine geringfügige Bezahlung, also bis zu 450 Euro, vorliegt. In einem solchen Fall übernimmt der Arbeitgeber die Beiträge allein.

Auch in Bezug auf die Rentenversicherungspflicht ist die Art des Praktikums zu beachten. Schreibt eine Prüfungsordnung ein Praktikum vor, dann gilt diese Pflicht. Ausnahme sind jedoch studierende Pflichtpraktikanten, die an einer Fach- oder Hochschule eingeschrieben sind. Seit 2004 gilt darüber hinaus für auch freiwillige Praktika, die geringfügig vergütet werden, eine Versicherungspflicht in der Rentenversicherung.

Weitere Rechte beim Praktikum: Urlaub, Arbeitszeit, Zeugnis

Wer ein Praktikum absolviert, sollte über die wichtigsten Aspekte in Bezug auf geltendes Arbeitsrecht informiert sein. Dazu gehört auch der Urlaubsanspruch. Dieser ist bei Pflichtpraktika nicht vorhanden. Freiwillige Praktikanten haben jedoch ein Anrecht darauf.

Auch ein freiwilliges Praktikum sorgt für arbeitsrechtliche Ansprüche.

Auch ein freiwilliges Praktikum sorgt für arbeitsrechtliche Ansprüche.

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) findet in diesem Fall, wie auch bei regulären Angestellten, Anwendung. Bei einer 5-Tage-Woche besteht also mindestens ein Urlaubsanspruch auf 20 Arbeitstage.

Neigt sich ein Praktikum dem Ende zu, können Praktikanten auf ein Zeugnis bestehen. Bei freiwilligen Praktika besteht sogar Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Dieses bietet, im Gegensatz zum einfachen Arbeitszeugnis, welches Pflichtpraktikanten oft erhalten, Bewertungen zum Verhalten und zu den Leistungen des Arbeitnehmers.

In Bezug auf die Arbeitszeit gelten die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Beschäftigte, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, müssen hingegen das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) beachten. Auch Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass minderjährige Arbeitnehmer nur solange beschäftigt werden, wie es der Gesetzgeber zulässt.

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