Rente und Hartz-4-Bezug: Leistungen im Alter

Kurze Zusammenfassung zur Rente bei Hartz-4-Bezug:

  1. Da in Deutschland die Pflicht zur Versicherung herrscht, besteht im Alter grundsätzlich ein Anspruch auf Rente.
  2. Wer gesetzliche Rente bezieht, dem steht meist keine Fürsorgeleistung zu – dazu zählt auch das Arbeitslosengeld 2.
  3. In bestimmten Fällen ist es dennoch möglich, sowohl Rente als auch Arbeitslosengeld 2 zu beziehen.

Auch und vor allem im Alter sollen Menschen ein würdiges Leben führen und für ihr jahrelanges Arbeiten entlohnt werden. Seine eigene Rente zu sichern, ist mitunter jedoch nicht so einfach – vor allem, wenn eine langjährige oder auch späte Arbeitslosigkeit dazu kommt. Das Wichtigste über die Rente und wie es sich mit einem gleichzeitigen Bezug von Arbeitslosengeld verhält, ist im Nachfolgenden zusammengefasst.

Die Rente als Teil der Sozialversicherung

Die Altersrente fällt oft geringer aus als erwartet

Die Altersrente fällt oft geringer aus als erwartet

Der Begriff Rente kann eine Vielzahl von Bedeutungen haben. Die monatlichen Zahlungen für den Ruhestand, um welche es hier auch geht, heißen korrekt eigentlich “Leibrente”.

Die deutsche Versicherungspflicht schließt auch eine gesetzliche Rentenversicherung bzw. eine gesetzliche Altersvorsorge ein. Wenn Vollzeit oder Teilzeit gearbeitet wird, dann zahlen bei einer Pflichtversicherung Arbeitgeber und Arbeitnehmer hälftig in die Rentenkasse ein. Für Arbeitnehmer heißt das: Vom monatlichen Gehalt geht automatisch anteilig etwas an die Rentenversicherung. Deshalb besteht ein gesetzlicher Rentenanspruch in Deutschland.

Die Rente ist, genauso wie das Arbeitslosengeld, ein Teil des deutschen Sozialnetzes. Dennoch unterscheiden sich die Leistungen rechtlich gesehen voneinander: Arbeitslosengeld 2 und auch Sozialgeld sind sogenannte Fürsorgeleistungen und werden aus Steuermitteln finanziert. Die staatliche Rente zählt zu den “vorrangigen Leistungen”, da sie eben aus Versicherungsbeiträgen gezahlt wird.

Renten werden versteuert – der Teil der Rente, welcher steuerpflichtig ist, wird als “Ertragsanteil der Rente” bezeichnet.

Eine Sonderform der Rente ist die Erwerbsunfähigkeitsrente, kurz EU-Rente. Wie der Name schon sagt, wird sie bei Erwerbsunfähigkeit gezahlt; also dann, wenn eine Person durch Krankheit oder generell körperliche und geistige Leistungsfähigkeiten einer Arbeit nicht oder nicht regelmäßig nachkommen kann. “EU-Rente” ist jedoch ein veralteter Begriff: Seit 2011 wird diese Rente offiziell für „Erwerbsminderung“ und nicht mehr für Erwerbsunfähigkeit erbracht, weswegen die richtige Bezeichnung nun “Erwerbsminderungsrente” (EM-Rente) lautet. Sie wird bis zum 65. Lebensjahr gewährt und wandelt sich dann in die reguläre Altersrente um.

In Diskussionen um die Rente ist zudem oft von einer Rentenlücke die Rede. Dieser Begriff bezeichnet die prozentuale Differenz zwischen dem letzten Monatseinkommen und der darauffolgenden Rente.

Rente – ab wann wird sie ausgezahlt und welche Unterschiede gibt es?

Die gesetzliche Rente soll auch im Alter ein gutes Leben gewährleisten

Die gesetzliche Rente soll auch im Alter ein gutes Leben gewährleisten

Die Regelungen zur Rente in Deutschland sind zurzeit noch im Umbruch. Seit 2012 und noch bis 2029 wird die Altersgrenze schrittweise von den vorherig geltenden 65 Jahren auf die Rente mit 67 Jahren angehoben.

Die Höhe und Form der Rente richtet sich nach unterschiedlichen Faktoren: Die Rente für Beamte beispielsweise fällt oft höher aus als die anderer Ruheständler. Früher konnte die Rente von Frauen zeitiger in Anspruch genommen werden als von Männern – diese Sonderregelung ist jedoch mit der noch andauernden Rentenreform auf die einheitlich angestrebte Rente ab 67 Jahren weggefallen.

Früher in Rente – das bedeutet meist Abschläge

Wer vorzeitig in Rente gehen möchte, der muss sich auf Kürzungen einstellen. “Abschlag” und “Abzug” können hierbei als Synonyme gelten. Wer vor den festgelegten 65 bzw. 67 Jahren Rente beantragen will, dem werden Kürzungen auferlegt – auch wenn sich viele eine volle Rente bereits ab 60 Jahren wünschen.

Früher in Rente zu gehen, ohne entsprechende Abschläge in Kauf nehmen zu müssen, ist dennoch möglich – wenn lange genug in die Rentenkasse eingezahlt wurde.

Eine abschlagsfreie Rente ist ab der Vollendung des 63. Lebensjahres dann möglich, wenn mindestens 45 Jahre lang Versicherungsbeiträge geleistet wurden. Davor war eine vorzeitige Rente, die trotzdem abschlagsfrei war, erst ab 65 Jahren möglich.

Rente und gleichzeitig Arbeitslosengeld – ist das möglich?

Gleichwohl ein grundlegend simples Prinzip, ist die Errechnung der individuellen Rente von vielen Faktoren abhängig und kann dementsprechend geringer ausfallen als erwartet. Betroffene stellen sich dann oft die Frage, ob die (frühzeitige) Rente durch ein Arbeitslosengeld 2 aufgestockt werden kann.

Die Antwort ist: unter Umständen. Der gleichzeitige Bezug von Arbeitslosengeld 2 und einer Rente ist nur bei bestimmten Rentenarten möglich.

Ob Rentenanspruch und gleichzeitiger Arbeitslosengeldanspruch besteht, hängt von der Art der Rente ab

Ob Rentenanspruch und gleichzeitiger Arbeitslosengeldanspruch besteht, hängt von der Art der Rente ab

Grundsätzlich kein Arbeitslosengeld

Wird eine Altersrente ausgezahlt, dann können grundsätzlich keine zusätzlichen Leistungen nach SGB II bezogen werden. Dies bezieht sich jedoch nur auf den Rentner selbst; lebt dieser in einer Bedarfsgemeinschaft, sind andere Mitglieder weiterhin Hartz-4-berechtigt, insofern sie die Voraussetzungen erfüllen.

Ist eine Person arbeitslos, bezieht Arbeitslosengeld 2 und erreicht das 63.Lebensjahr, dann ist sie grundsätzlich verpflichtet, eine Altersrente mit Abschlägen in Anspruch zu nehmen. Diese “Zwangsverrentung” gilt für Betroffene jedoch nicht, wenn die zu erwartende Rente so niedrig ist, dass Sozialhilfe oder Grundsicherung beansprucht werden müsste.

Wer dauerhaft nicht erwerbsfähig ist und eine EM-Rente bezieht, hat ebenfalls keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 2.

Teilweises Arbeitslosengeld 2

Ist die Erwerbsminderung nur teilweise, dann sieht die Sache anders aus – teilweise heißt hier, dass die betroffene Person in der Lage ist, zumindest drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Das bedeutet, dass theoretisch sowohl eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung als auch Arbeitslosengeld 2 bezogen werden können. Eine teilweise EM-Rechte schließt Sozialleistungen also nicht aus.

Beachten Sie hierzu: Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gilt als Einkommen und wird deshalb mit dem Regelsatz verrechnet. Gleiches gilt für alle Renten, welche aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung gewährt werden, wie die Berufsunfähigkeitsrente, die Unfallrente und die Verletztenrente. Auch die Rente von Waisen, Witwen und Witwern können als “sonstiges Einkommen” angerechnet werden.

Ausnahmen und voller Anspruch auf Arbeitslosengeld 2

Neben diesen Beispielen gibt es die privilegierte Rente, die den Anspruch auf Hartz-4 gar nicht mindert. In diese Kategorie fallen Renten für Wehr- oder Zivildienstopfer, Opfer von Gewalttaten, politische Häftlinge oder auch Impfgeschädigte. Zu diesem nicht anrechnungsfähigen Einkommen zählt grundsätzlich jede Rente nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG) und dem Bundesentschädigungsgesetz.

Auch wenn die Rente einen Pfeiler der Grundversicherung darstellt, gibt es sie nicht “von Amts wegen” – das bedeutet, Sie selbst müssen einen Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. In diesem Antrag müssen Sie unter anderem Angaben zur Rentenart und dem gewünschten Rentenzeitpunkt machen. Falls Sie Hilfe benötigen, können Sie sich auch an Ihr Jobcenter wenden – dieses muss über einen Rentenbezug grundsätzlich informiert werden.

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