Schichtarbeit darf mitunter abgelehnt werden

Kurze Zusammenfassung zur Schichtarbeit und Hartz 4

  • Bei einer Schichtarbeit werden Arbeitnehmer gestaffelt am gleichen Arbeitsort eingesetzt, sowohl zu Tages- als auch zu Nachtzeiten.
  • Schichtarbeit kann die Gesundheit nachweislich in Mitleidenschaft ziehen, wenn kein Ausgleich geschaffen wird oder keine ausreichende Erholung gegeben ist.
  • Hartz-4-Beziehende dürfen das Jobangebot einer Schichtarbeit ablehnen, wenn dies gut begründet werden kann.

Schichtarbeit sichert eine ganzheitliche Versorgung und ist in bestimmten Berufsfeldern unerlässlich. Dennoch kann diese auch extrem belastend sein, körperlich und seelisch. Leistungsberechtigte müssen solch ein Jobangebot nicht annehmen – hierfür muss jedoch ein guter Grund gegeben sein.

Was ist Schichtarbeit eigentlich?

Eine Schichtarbeit bzw. ein Schichdienst ist ein Arbeitsmodell, bei welchem Arbeitnehmer in einem versetzten Rhythmus arbeiten, in der Regel außerhalb der üblichen Tagesgeschäftszeit. Eine Arbeitsschicht muss dann nicht immer nur acht Stunden umfassen; auch Abrufdienste oder 24-Stunden-Dienste sind möglich.
Vollkontinuierliche Schichtarbeit ist häufig äußerst anstrengend

Vollkontinuierliche Schichtarbeit ist häufig äußerst anstrengend

Bezüglich der Schichtarbeit sehen entsprechende Gesetze im Arbeitsrecht vor allem vor, dass Arbeitnehmer genug Erholung erhalten. Eine Altershöchstgrenze bei der Schichtarbeit gibt es hingegen nicht.

In Schichten zu arbeiten, belastet Körper und Geist mehr als eine ständige Tagesarbeit. Gute Ernährung kommt im Schichtdienst häufig zu kurz, viele klagen über Schlafprobleme und allgemeine Erschöpfung. Auch die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte kann durch eine Schichtarbeit enorm erschwert sein. Diese Faktoren in Kombination haben nicht nur direkte, sondern auch viele indirekte Folgen: Vereinsamung und eine Anfälligkeit für Suchterkrankungen etwa.

Schichtarbeit darf dann abgelehnt werden, wenn diese “nicht zumutbar ist”

Leistungsbeziehende sind laut Erwerbsobliegenheitspflicht dazu angehalten, sich um eine möglichst schnelle Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu bemühen. Tun sie das nicht, indem etwa Arbeitsangebote verweigert werden, dann werden Sanktionen angeordnet.

Mitunter ist es jedoch möglich, ein Arbeitsangebot des Jobcenters abzulehnen, ohne Kürzungen befürchten zu müssen. Dies gilt auch bzw. vor allem für Schichtarbeit. Hierbei spielt der Begriff der “Zumutbarkeit” eine wichtige Rolle: Betroffene müssen gut begründen können, warum ihnen die Ausübung eines bestimmten Berufes nicht möglich ist. Fehlende Erfahrung oder die Tatsache, dass eine Arbeit “ungünstiger” als der eigentliche gelernte Beruf ist, zählen nicht dazu.

Welche Gründe können geltend gemacht werden?

Ein legitimer Grund für das Ablehnen einer Schichtarbeit ist z.B. dann gegeben, wenn Betroffene ein minderjähriges Kind zu versorgen haben. Selbiges zählt, wenn andere Angehörige zu betreuen bzw. zu pflegen sind.

Darüber hinaus gilt: Wenn nachgewiesen werden kann, dass der Schichtdienst die Gesundheit schwerwiegend belastet, kann dies ein legitimes Ablehnen begründen. Hierzu müssten Betroffene jedoch medizinische Nachweise vorweisen können – die bloße Behauptung, gleichwohl diese wahr sein mag, wird wohl nicht ausreichen.

Mitunter müssen Leistungsberechtigte nicht in Schichten arbeiten

Mitunter müssen Leistungsberechtigte nicht in Schichten arbeiten

Abgesehen davon kann fallindividuell entschieden werden, dass eine Schichtarbeit eine seelische oder besondere körperliche Belastung sein kann – etwa, wenn ein trockener Alkoholiker in einem Arbeitsumfeld mit Spirituosen hantieren müsste.

Es ist unter Umständen auch möglich, die Ablehnung einer Schichtarbeit mit dem eigentlichen Hauptberuf zu begründen. Ist jemand bspw. Musiker und dementsprechend auf ein funktionierendes Gehör angewiesen, dann ist ein allzu lautes Arbeitsumfeld – etwa eine mechanische Fertigungshalle – sehr nachteilig.

Dies sind einige Beispiele, mitunter können auch andere Gründe die Ablehnung einer Schichtarbeit begründen. Vereinbaren Sie hierzu ein Gespräch in Ihrem Jobcenter und lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten.

Bildnachweise: Fotolia.com/ © Photographee.eu, iStockphoto.com/ © EtiAmmos

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